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An B.

Ich fahre zu Dir, und dabei lese ich über Dich.

Stehe am Gleis in Singen Hohentwiel -das ist im Schwarzwald- , und habe einen im Tee von Wein aus einem Pappbecher. Wie so oft bei Dir….sozusagen in Gedenken an Dich. In deinem Gedenken rauche ich eine und schnippe die Kippe auf die Schienen. So mache ich das bei Dir auch immer.

Und dieses Wochenende komme ich Dich besuchen.

Deshalb versuche ich vorher herauszufinden, was du so treibst zurzeit. Es ist Halloween, Zeitumstellung auch.

Seit einem Tag habe ich ein flaues Gefühl im Bauch. Echt als ob ich  etwas Falsches gegessen hätte. Aber es ist doch die Aufregung, Dich wiederzusehen. Bist eben doch was ganz Besonderes, und nicht leicht zu verlassen, hinter sich zu lassen. Das Grummeln im Bauch, das kenne ich aus Prüfungssituationen. Ist auch ein Quentchen Angst untergemischt.

Aber nicht ohne Grund habe ich Dich verlassen. Ich komme ja nur wieder, um Tschüs zu sagen und meine Sachen zu holen.

Eine, die Dich kennt, beschreibt Dich als  “verführerischen Freund”, der gerne sowas sagt wie “Komm schon, bleib noch etwas, trink noch etwas, du musst morgen nicht zur Arbeit”. Und dann, sagt sie, “wachst du am nächsten Morgen völlig verkatert auf und stellst fest, dass 5 Jahre deines Lebens einfach verschwunden sind”.

So ganz so würde ich das nicht formulieren. Es sind in meinem Fall drei Jahre, und sie sind nicht verschwunden, sondern teilweise

versickert, versumpft in Bars, verschwitzt in Clubs, vertanzt, verspielt, verstudiert, verschaukelt, verfahren, verdreht, versoffen, verfeiert, verschlafen, versetzt, verzweifelt, verschissen, vermisst, verloren, vergeigt, versungen, verschlampt,…..

aber nicht vergessen. Du bist nicht vergessen.

Du hast mir Dinge gezeigt, die ich sehen wollte und von denen ich geträumt habe. Du hast mir kleine Vorgeschmäcker gegeben,Häppchen- und -schluckweise auf das, was möglich ist, wenn ich es will. Manches war auch zuviel zu Schlucken für mich.

Bei Dir habe ich gelernt, mich treiben zu lassen, die Augen weit auf zu machen und zu entdecken. Eigentlich musste ich nur sitzen und gucken und geschehn lassen. Teil dieser Situation (-en) sein, die du gestaltest.

Und vielen Leuten geht es so bei Dir. Jeder will irgendwie einen Teil von Dir, ein Teil von Dir sein, oder zumindest ein Souvenir, ein Stückl vom Kuchen, das sowas von in den Dreck gefallen ist und trotzdem noch so verlockend süß und geniessbar, weil einzigartig.

Was du verlangst, …was du verlangst, ich konnte es nicht geben. Zuletzt dachte ich, ich bin an Dir zerbrochen. Oder zumindest gescheitert. Was du verlangst? Willensstärke. Die verlangst du jedem ab. Eben weil du so verführerisch bist.

In deinen Augen verliert man sich doch, verlor ich mich. So, dass ich nachts nicht schlafen konnte, weil ich dachte ich verpasse etwas, wenn ich nicht voll bei Dir, voll dabei bin. Dachte immer, meine Kondition sucht ihresgleichen, aber du, mit deiner Energie kann ich nicht mithalten.

Mein Ehrgeiz, Dich zu erobern, blieb bis zuletzt, -nein- er ist bis jetzt ungebrochen. Weisst du, ich habe mir nie eingestehn können, dass ich es nicht packe ohne diese Willensstärke und die Disziplin. Ein paarmal wurde ich dann ausgebremst, weil ich gemerkt habe, mit Dir, krasse Type, kann ich nicht mithalten. Aber die Blösse geben und vorzeitig abbrechen, aussteigen? Nein….Zusammengebrochen bin ich, sprichwörtlich. Brauchte Hilfe beim wiederaufstehn und Klarkommen, aber Dir war das egal. Doch deshalb böse sein auf Dich, das kam mir nicht in den Sinn. Kommt es mir immer noch nicht. Ich hab Dich immer so genommen, wie du bist und warst, auch wenn du dich veränderst, ständig. Denn ich kenne das und bin genauso. Das einzig Beständige ist doch der Wandel.

Und führe mich nicht in Versuchung”…dieses Mantra funktioniert bei dir nicht….Du tust es ständig und wirksam.

Philharmonie durch den Hintereingang? Generalprobe mit Rattle? Geheimclub mit Zeichen am Eingang und drinnen Champagner und Theaterikonen an den Tresen, alles für umme? Szene, Freaks und Künstler, Transen und Burlesquefiguren stecken mir ihre Kärtchen zu, Regisseure, Schauspieler, du kennst sie alle und stellst sie mir vor. Sie stellen sich mir vor, weil wir dich gemeinsam haben. Durch Dich kenne ich sie alle: Politker, Dominas, Tänzer, Varietekünstler, Kiezgroessen, Musiker, Djs…..Du machst uns bekannt und irgendwie kriegst du es hin, dass immer irgendwas geht, irgendwas fliesst, Schampus, Bier, MDMA Bowle……

Aber auch wenn ich mit dir allein bin -was selten genug ist- bedeutet deine Gegenwart, nur deine Präsenz Gewinn und Reichtum. Ich sehe Möwen, leerstehende Hochhäuser, die wie einzelne Zähne im Maul einer alten Frau ohne Gebiss stehn, der Landschaft Halt geben. Verlassene Ferienheime, Schwäne, grüne Seen, grüne Feen, Riesenwelse, Ruderboote, Platanenalleen, Wälder wie im Dschungel, wilde Füchse, die gezähmte Enten reissen, verkehrte Welten….alle nebeneineander existierend, nicht einander störend. Ko-existierend.

Nicht mehr, nicht weniger.

Diesen ganzen Zauber sehe ich, wenn ich bei dir bin. Und es ist Zauber und Realität zugleich: Pinkrosa Elfen mit Schnurrbärten in Übergrösse fallen von Schaukeln, die an Bäumen hängen mit Discokugeln, die in Gärten stehn, die keine sind,aber wie Eden sich anfühlen, so unschuldig in dreckige Flüsse. Platsch! Sündenfälle überall. Nasse getaufte desillusionierte Elfen, mit nassen Flügeln, die aussehn wie triefend nasse, vom Wind umgedrehte Regenschirmskelette.

Zuckerwatte liegt an Sommerabenden auf der Strasse. Er weht durch den Kiez und Menschen halten ihn irritiert zunächst für Schnee. Schnee bei über 25 Grad! Das ist Zuckerwatte……Ein rostiges Jahrmarktkarussell wartet darauf, gekauft zu werden und dreht sich wie zur Probe auf bessere Zeiten im Wind…..Der gleiche Wind, der auch den Zuckerwatteschnee bewegt. Doch der Grund auf dem das Karussell steht, der Grund gehört den grauen Herren. Von denen will kein anständiges Zirkuspferd kaufen. Deshalb bleibt das Karussell verlassen. Vorerst.

Dafür werden im Winter die Schwäne verdrängt von Eisdecken, auf die man Sofas stellen kann. Aufs Wasser. Wirklich wahr! Und das alles sind keine doofen Geschichten, das passiert alles wirklich, wenn ich bei Dir bin. Kein Scheiss. Das und noch soviel tausend Wunder mehr.

Und deshalb will ich eigentlich nicht mehr ohne Dich sein. Weil du mein Leben reicher machst. Aber…mit dir -ich muss es dir sagen, auch wenn es Dich nicht interessiert- …mit dir mach ichs mir auch ganz schön einfach. Weil du mich mitreisst, zwar viel abverlangst aber niemanden, auch nicht mich, zu irgendwas zwingst. Und dadurch…..du bist eben nicht fordernd….dadurch werde ich bequem und entwickle mich nicht weiter. Nicht ohne diese Willensstärke. Diese verdammte Willensstärke. Die brauche ich, wenn ich Dich bei mir haben will. Denn ich krieg dich nicht gezähmt….Eher machst du mich wild.

Der Zug kommt. Bald bin ich bei Dir.


Auf Wiedersehen

Auf dich ist nicht Verlass,

kein Kirschenessen.

Ich kann und werde dich

zwar nicht vergessen,

dir und uns doch vergeben

und weiterleben.


Genug verwirrt

verrannt

verkannt

verbrannt

unbemannt auf Grund gegangen

In Netzen verfangen

falsche Wege genommen

zu weit raus geschwommen

betrunken

benommen.

Genug nicht bekommen

was ich brauch.


Und endlos gewartet,

dass die Rakete startet.


Der Countdown ist aus,

das Publikum längst weg.

Ich geh nicht nachhaus, aber raus.

Ich bin raus.


Aus der engen grossen Kiste,

ich miste

mich aus.

Ich bin raus.


Habe nur mich und ein Leben,

das verbringe ich nicht mit dir.

Also.

Ehrlich.

Was will ich bei Dir?


Ich streife allein durch Weizenfelder,

fühl mich wohl.

Bin keine für Dich,

bin die Eine für mich.


Auf Wiedersehen.


20.01.2010



Offene Stellen

Wir reiben uns

aneinander auf

ineinander ein

im Wechsel

liegen wir uns fast wund.

Das tut weh und

ist nicht gesund.

A U S. Aus.

Es ist aus,

ich atme tief

und still und schwer ein

kein Zuhaus.

Du bist nun fort;
ein Platzhalter in meinem Herzen
niemanden lass ich noch dort sitzen,

ich scheuche die Vögel weg.

Die Käfer sind schwerer
zu fassen.
Sie lassen sich nieder
wo du einst saßt.

Sie nehmen keine Rücksicht, krabbeln lustig herum,
wo du einst saßt.

Ich habe dich verloren.
Du bist gegangen.

Und mit dir:

Eine Digitalkamera,
ein Drucker,
eine Lederreisetasche,
der Glaube, das was ewig dauern kann,
noch ein Teil der Unschuld,
der volle Kühlschrank und
die Sonntage allein zu zweit.

Gegangen mit dir:

Die Ruhe in der Seele,
das Aufgehobensein- und Wollen,
das Träge, Süße
die zuckerne Scholle im salzigen Meer.

Das gibt es nicht mehr.
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Achtung: dieses Gedicht hat keinen erlösenden, auflösenden Ausgang.