….oder:
auf Selbstzerstörungskursk im multinationalen Urban Jungle
Überraschung: mehr Rumknutschen macht nicht weniger einsam. Binge-drinking auch nicht. Das hilft alles nichts. Eine Strip-Tänzerin, ein Schauspieler, eine Blondine in Netzstrümpfen und ein Opernsänger weiter….Allein zuhause.
Karriere läuft.
Eine Zusage für Nizza (Universität), eine für Afrika (Entwicklungshilfe) und eine ausstehende für ein hippes Berliner Radio (Volo) weiter
Und der Schnee schmilzt.
Was erstmal für mich bedeutet: ich kann wieder mit High Heels zu Partys gehen und mir einiges an Taxigeld sparen.Und: ohne Jesus- Attitüde über den Kanal in Kreuzberg rennen geht erstmal nicht mehr.
Schön für die Schwäne. Mehr Platz zum Schwimmen.
Das mit dem Auf mich Konzentrieren klappt ganz gut. Trotz wärmerer Temperaturen liegen meine eigenen Liebesprobleme erstmal auf Eis.
Stattdessen löse ich die anderer Leute, zum Beispiel die des Schauspielers, der wahnsinnig verliebt ist in eine Schauspielerin. Die will sich aber trotz grosser Gefühle auf ihre Karriere konzentrieren und nach Hollywood gehen. Er hat Liebeskummer. Und knutscht mit mir. Danach freunden wir uns an. Ich sage ihm, dass Klassefrauen selten mit Worten umzuhauen bzw zu gewinnen sind, sondern eher mit Worten. Also wenn er sie wirklich liebt und sie ihn – obwohl sie nicht mit ihm zusammen sein will- soll er verdammt noch mal Taten sprechen lassen, Nägel mit Köpfen und ihr einen Antrag machen. Im folgenden helfe ich ihm, einen Ring bei Tiffanys auszusuchen für seine Angebetete. Was, wenn sie nein sagt? Ja, was soll schon sein? Dann hat er es wenigstens versucht.
Für was soll man sich denn schon zum Affen machen,wenn nicht für die Liebe???
Na bitte. Wenn sie nach Hollywood geht, dann wenigstens mit Ring. Sonst kann sie auch nicht, wie sie es jetzt tut, von ihm verlangen “auf sie zu warten”….. Da ist mir schon der Hut hoch gegangen….. ein hübscher Schauspieler in den besten der jungen Jahre, der sich für eine karrieregeile junge narzisstische Besetzungscouchsuperfrau aufheben will. Masochismus at its best. So nicht!
Nächste Bekanntschaft:
ein alternder Opernsänger, der nicht nur in seiner Herkunft zerrissen scheint. Halb russe, halb Ami. Seine Kinder und Exfrau in NY, er in Berlin. Geboren in Sibirien, russische Tiefen- Melancholie (“mein Herz ist leer”) gemischt mit amerikanisch anmutender Profanität (“wir sollten uns in Mitte treffen, ist näher an meinem Bett, da landen wir sowieso, oder?”). Der Mann ist so traurig, dass ich mir nicht vorstellen kann, welche Frau mir welchem Herzen oder welchen Titten, welche Musik oder welche Cocktail ihn mal so richtig herzlich zum Lachen bringen kann.
Selbst in meinen vermeintlich verzweifelsten Zeiten in Berlin habe ich das gemacht. Oder wenigstens herzlich geweint. Hauptsache herzlich.
Doch anstatt sich nach einer langen Probe am Theater auf gutes Essen zu freuen, bemerkt er beim Blick auf die Karte, dass er ja einen Burger will…aber dass so ungesund sei….und dass er 5 Kilo zugenommen hat im Winter….aber dass er ja schon Lust hat….”ahhh, fuck it!”…..Minutenlang geht das so.
Selten habe ich jemanden so lustlos sagen sehen, dass er auf etwas Lust hat.
Als ich ihn kennenlernte, sah der Opernsänger auf der Bühne bei der fatalen Burlesque- Veranstaltung nicht halb so lebensfroh aus wie er beim ersten (und letzten, wer hätts gedacht?) Date verbraucht, verzweifelt und unten mit dem King wirkte. Wie poetisch, dachte ich noch, als er sagte, er kann seit drei Tagen nicht schlafen…
… später stelle sich heraus, dass er den koffeinfreien mit dem normalen Kaffee verwechselt hatte.
Shit happens.
Schon wieder was gelernt. Über Bühnenmenschen unterschiedlichster Couleur.
