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Bestellung Berlin Teil 3: ein bisschen Geld, ein bisschen Liebe

….oder:

auf Selbstzerstörungskursk im multinationalen Urban Jungle

Überraschung: mehr Rumknutschen macht nicht weniger einsam. Binge-drinking auch nicht. Das hilft alles nichts. Eine Strip-Tänzerin, ein Schauspieler, eine Blondine in Netzstrümpfen und ein Opernsänger weiter….Allein zuhause.

Karriere läuft.

Eine Zusage für Nizza (Universität), eine für Afrika (Entwicklungshilfe) und eine ausstehende für ein hippes Berliner Radio (Volo) weiter

Und der Schnee schmilzt.

Was erstmal für mich bedeutet: ich kann wieder mit High Heels zu Partys gehen und mir einiges an Taxigeld sparen.Und: ohne Jesus- Attitüde über den Kanal in Kreuzberg rennen geht erstmal nicht mehr.

Schön für die Schwäne. Mehr Platz zum Schwimmen.

Das mit dem Auf mich Konzentrieren klappt ganz gut. Trotz wärmerer Temperaturen liegen meine eigenen Liebesprobleme erstmal auf Eis.

Stattdessen löse ich die anderer Leute, zum Beispiel die des Schauspielers, der wahnsinnig verliebt ist in eine Schauspielerin. Die will sich aber trotz grosser Gefühle auf ihre Karriere konzentrieren und nach Hollywood gehen. Er hat Liebeskummer. Und knutscht mit mir. Danach freunden wir uns an. Ich sage ihm, dass Klassefrauen selten mit Worten umzuhauen bzw zu gewinnen sind, sondern eher mit Worten. Also wenn er sie wirklich liebt und sie ihn – obwohl sie nicht mit ihm zusammen sein will- soll er verdammt noch mal Taten sprechen lassen, Nägel mit Köpfen und ihr einen Antrag machen. Im folgenden helfe ich ihm, einen Ring bei Tiffanys auszusuchen für seine Angebetete. Was, wenn sie nein sagt? Ja, was soll schon sein? Dann hat er es wenigstens versucht.

Für was soll man sich denn schon zum Affen machen,wenn nicht für die Liebe???

Na bitte. Wenn sie nach Hollywood geht, dann wenigstens mit Ring. Sonst kann sie auch nicht, wie sie es jetzt tut, von ihm verlangen “auf sie zu warten”….. Da ist mir schon der Hut hoch gegangen….. ein hübscher Schauspieler in den besten der jungen Jahre, der sich für eine karrieregeile junge narzisstische Besetzungscouchsuperfrau aufheben will. Masochismus at its best. So nicht!

Nächste Bekanntschaft:

ein alternder Opernsänger, der nicht nur in seiner Herkunft zerrissen scheint. Halb russe, halb Ami. Seine Kinder und Exfrau in NY, er in Berlin. Geboren in Sibirien, russische Tiefen- Melancholie (“mein Herz ist leer”) gemischt mit amerikanisch anmutender Profanität (“wir sollten uns in Mitte treffen, ist näher an meinem Bett, da landen wir sowieso, oder?”). Der Mann ist so traurig, dass ich mir nicht vorstellen kann, welche Frau mir welchem Herzen oder welchen Titten, welche Musik oder welche Cocktail ihn mal so richtig herzlich zum Lachen bringen kann.

Selbst in meinen vermeintlich verzweifelsten Zeiten in Berlin habe ich das gemacht. Oder wenigstens herzlich geweint. Hauptsache herzlich.

Doch anstatt sich nach einer langen Probe am Theater auf gutes Essen zu freuen, bemerkt er beim Blick auf die Karte, dass er ja einen Burger will…aber dass so ungesund sei….und dass er 5 Kilo zugenommen hat im Winter….aber dass er ja schon Lust hat….”ahhh, fuck it!”…..Minutenlang geht das so.

Selten habe ich jemanden so lustlos sagen sehen, dass er auf etwas Lust hat.

Als ich ihn kennenlernte, sah der Opernsänger auf der Bühne bei der fatalen Burlesque- Veranstaltung nicht halb  so lebensfroh aus wie er beim ersten (und letzten, wer hätts gedacht?) Date verbraucht, verzweifelt und unten mit dem King wirkte. Wie poetisch, dachte ich noch, als er sagte, er kann seit drei Tagen nicht schlafen…

… später stelle sich heraus, dass er den koffeinfreien mit dem normalen Kaffee verwechselt hatte.

Shit happens.

Schon wieder was gelernt. Über Bühnenmenschen unterschiedlichster Couleur.

Boah Benno.

Beim ersten Bier

erzählt er mir

seine beiden letzten Freundinnen haben ihn verlassen.

Die eine nach 4 Jahren

als er aus dem Urlaub kam,

standen in der Wohnung ihre Eltern

und packten ihre Sachen.

Sie wollte lieber auf unbestimmte Zeit Urlaub

in Australien mit seinem Freund, einem Australier, machen.


Die andere blieb eineinhalb Jahre.

Er erwischte sie

in der gemeinsamen Wohnung

mit einem gemeinsamen Freund, einem Erasmusstudenten, im Bett.


Nich nett, nich nett.

Nein Benno, das Leben ist nich nett.

Hundeaugen.

Benno is achtunzwanzig und arbeitet im Callcenter.

Benno hat Nierensteine und Magengeschwüre

und einen Bauch.

Hat er auch.


Beim Bier mit mir,

macht er Komplimente.

Erzählt, sein Vater wählt braun,

und er sieht ihn kaum.

Er hat ein Boot an der Müritz und

Klassentreffen gehabt.

Wenn er die Leute dort sieht, könnt er kotzen,

die sind achtundzwanzig wie er, haben Kinder und wohnen immer noch dort.

Da geht’s ihm schon viel besser.

Er wohnt im Prenzlauer Berg im Apartment mit Portier,

der geht sogar einkaufen.


Aber er zieht jetzt um.

Mehr nach Mitte,

in eine Wohnung, die seinem Gehalt

als Juniorprojektmanager angemessener ist.


Benno sieht einen selten an,

und wenn, dann schielt er ein wenig.

Er lächelt mit zusammengepressten Lippen,

raucht ungeschickt im Stehn mit hängenden Armen.


Man möchte rufen:

Benno lass dich doch nicht so gehn!

Wer will das denn sehn?

Das ist doch nicht schön!

Das sieht ja aus, zum Gott erbarmen!


So eine Klassefrau wie dich, trifft man nicht alle Tage.

Sagt er.

Danke.

Ich geh.

Bestellung Berlin: ein bißchen Geld, ein bißchen Liebe. Teil 2

Die Stimme der Russin in der U8 zwei Sitze weiter wiegt mich ein, beruhigt mich.

Gerade noch stand ich am Bahnsteig Boddinstrasse, halb zwölf nachts, auf dem Weg nach Hause. Kurz bevor die U Bahn kommt, visualisiere ich.

Der silberne Ring am Finger mit der Perle, den ich anhabe, um nicht nichts am Finger zu haben, damit sich der rechte Ringfinger nicht nackt anfühlt. Ich sehe ihn an. Lege alles in ihn hinein.

Leonard, der meinen Stolz verletzt hat. Ich lege Constantin hinein, dessen Ring ich sieben Jahre am Finger trug. Julius, mit dem blonden Dandyhaar, der mich und nicht weiss was er will. Martin, den süßen schwedischen Mann meiner Träume, der sich nicht meldet. Sie alle sollen glücklich sein, ich wünsche es ihnen.

Ich nehme den Ring ab, werfe ihn in den Dreck der Bahngleise, zwischen die Kippen und den Rattendreck, bevor der Zug einfährt. Kurz davor. Nachhause.

Zuhause tönt mein Nachbar ins Fenster. Er wird wild beklatscht für ein Countrystück auf der Gitarre. Gibt eine Zugabe. Es ist November, ich ziehe eine Strickjacke über, höre weiter zu.

Keine Männer mehr. Ich hab mich jetzt selber lieb. Brauche niemanden, der mir Aufmerksamkeit schenkt. Denn das kann ich in der Theorie ja wohl selbst am besten.

Der Nachbar singt weiter. So geht es. Ich sehe ihn nicht, er lenkt mich gerade so ab, dass es angenehm ist. Alle anderen können sich zum Donnergrommel scheren.

Ich sehe nicht mehr wohlwollend in den Spiegel. Weiß nicht, wie lang schon nicht mehr. Andere können ja sagen, was sie denken. Meine Spiegelblicke sind rein funktional. Hab ich was auf der Nase? Sitzt der Pony, steht nix ab? O.k. Raus.

Schauen sich andere Menschen im Spiegel an und denken, wie lieb sie sich haben? Machen das viele? Meiner Erfahrung nach fühle ich mich mit einem vermeintlich exklusiven Gefühl des öfteren alleine. Doch dann stellt sich heraus, oft auch später, wenn es schon gar nicht mehr brennt: neee, das kennen die meisten. Ist wohl ein menschlicher Mechanismus. Menschlich, allzu menschlich. Darum geht es sicher nicht nur mir so. Aber das erzähle ich nicht beim Kaffee.

“Mach mal Therapie!” … ja, sobald ich die Krankenkassenbeiträge wieder regelmäßig bezahlen kann. Echt. Aber erst kommt das Fressen, dann die Moral. Das ist aber ein anderes Thema, das greife ich später auf. (Warum wir ohne Moral die besseren Menschen sind.)

Weiter.

Froschkönig. Was andre denken.

Fieberbesuch.

Keiner meldet sich.

Denke kurz nach, vor die Bahngleise zu springen.

Dann bin ich dankbar, Leonard, der mir auf der ersten Kreuzberg-Kneipentour sagte, einer meiner Punkte auf meiner unbedingt To- Do- Liste sollte sein, und zwar der erste: kein Selbsttmitleid, keine Arroganz.

Wenn ich aber doch so sehr empfänglich bin für Beeinflussung und Ablenkung, wie kann ich mich dann anders abgrenzen als so? Gut, ich lese Bücher über Achtsamkeit, Zen und Buddhismus im Allgemeinen. Sie helfen, auch in verdammt schwierigen Zeiten wie diesen ruhig zu bleiben, die Gefühle zu beobachten, Bedürfnisse und das alles nicht so ernst zu nehmen.

In den zwei Wochen in der Schweiz als Hundesitter meiner Schwester versuche ich, mich selbst zu befriedigen. Warum habe ich keine Lust auf Sex? Jedenfalls, soviel ich merke?…Ein kurzer, durch bewegte Bilder herbeigeführter Orgasmus, das ist alles. Dauert vielleicht vier Sekunden. Eine Welle, die an der Klitoris bleibt und keine Wärmewelle im Körper aussendet, den Hypothalamus nicht zum implodieren bringt.

Meine Güte, ich muss echt mal lernen, mich selbst zu lieben. Wie soll ich von anderen Superorgasmen verlangen, wenn ich das nich selbst kann? Ist das normal?

Kreuzberg November

Kreuzberg November

Too many men

Too many men

wandering.

Too many whens,

too many hows,

too many hands,

too many wows.

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You step along

you look for nothing

you stand alone

and you can breathe.

_____________

Before you have

time to sigh

there is another

coming by.

You don’t know why,

but is so.

You’re feeling low,

they make you high,

you don’t ask why.

_____________

Too many men

approaching

to many whens,

too many hows,

too many hands,

too many wows.

_____________

They say „be mine“

they want me, fine,

they drink my wine

and try to read my eyes.

_____________

One is handsome

one is young

one gifted, well- prepared,

but they’re all strangers

to my heart.

No one can catch it, no one can win.

No one gets his hands

under my skin.

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Too many men

intruding.

to many whens,

too many hows,

too many eyes,

too many lies,

want peace now.

_____________

Give me peace now,

I give myself what they can’t,

gonna give myself some peace now.

I am going to give myself some peace now.