Archiv der Kategorie: Kreuzberg für Anfänger

- Was weiß ich -

..der Gesang der goldglänzenden Strohwitwe unter der Weide am Urbanhafen

Was weiß ich-
die Weide wiegt sich im Wind.
Der Mond ist fast voll und
glotzt mich blöd an.
Ich bin eine Frau und war mal ein Kind.

Für Bäume hat Zeit
eine andre Bedeutung.
So langsam und gleich,
so wiegend und weich
rascheln die langen Blätter der Weide
streicheln mir beinahe mein frisch gewaschenes Haar.
Natürlich wärs lustiger, wärest du da.
Eine viel unterhaltsamere Häutung.

Ich mache mir nichts aus Politik, weißt du.
Nur es tut mir wirklich weh,
die gigantischen Schneisen im Regenwald,
für einen Mahagonibaum.
Wird es Käfern eigentlich kalt?
- oh, ein Otter im Urbanhafen!
(Bewegen  Schwäne die Beine, wenn sie schlafen?)
Und warum ist Vergangenheit immer ein Traum?

Ich tanze um die Weide, ich singe:

Die Göttin der Liebe
ist nicht gern allein,
sie reitet nachts traurig
ihr wildzahmes Schwein.
der Mann stets fort, ein Wald- ein Wandersmann.

Die Göttin der Liebe
soll nicht allein sein.
Ihr Kopf ist vom Herzen nicht zu trennen,
ohne sie zu töten, es ist ein.

Die Göttin der Liebe
Sie lernt den Bruder kennen,
den Geliebten, du kennst
die Geschichte?

Ja, ihr wollt sie auch noch brennen,
wenn in ihr doch schon alles brennt?
Schlecht wisst ihr, wie man Götter tötet,
Die Morgensonne schämt sich nie, sie errötet!

Das war das Lied, die Weide interessiert dieses Lied
kein Stück,
sie neigt sich,
doch ich nehm das nicht persönlich,
gen Mond, ich lehne mich zurück.
-Was weiß ich.

Anmerkung:
“In einer anderen Form begegnet uns Freyja als Kriegerin und Heerführerin. (..) Wenn sie als Walfreyja in die Schlacht zieht, bekommt sie als oberste der Walküren die Hälfte aller Gefallenen zugesprochen, während Odin die andere Hälfte zufällt. Freyjas dritte große und wichtige Charaktereigenschaft ist ihre Gestalt als Seidkundige Zauberin. Mehrmals wird Freyja von den Riesen begehrt, die immer wieder die Asen zu erpressen suchen, um die Liebesgöttin für sich zu gewinnen. Nicht zu Unrecht gerät sie zuweilen in Zorn, wenn die Götter über ihren Kopf hinweg meinen, bestimmen zu müssen, wem sie als Pfand, Gegenwert oder Geschenk auszuhändigen sei. Von Loki und der Riesin Hyndla wird sie hingegen als mannstoll beschimpft, da schon viele der Wanen, Asen und Alben sich ihrer Liebeskunst erfreuen durften. Vier Zwerge fertigten ihr den Halsschmuck Brisingamen an, der ihr den Namen Menglöd (die Halsbandfrohe) einbringt. Als Belohnung hierfür verbringt Freyja mit den Zwergen eine Liebesnacht. In einer anderen Geschichte wird dieser Schmuck von Loki gestohlen, aber von dem Gott Heimdall erfolgreich zurückgebracht. Als Gullweig (Goldglänzende) kommt sie zu den Asen, um diese angeblich zu verführen, worauf man sie wegen ihrer Kräfte dreimal vergeblich zu verbrennen sucht. Später nennt sie sich Heidh (die Leuchtende) und lehrt Odin die Kunst der Seidmagie, die aus verschiedenen Formen schamanischer Praktiken besteht. ” (Wikipedia)

Die längste Tafel der Welt

Fernbeziehungen sind nicht leicht….und wer es schon erlebt hat, weiß, was Skype  kann. Eigentlich alles, außer anfassen und riechen. Wie hat das eigentlich vor im vorskyplichen Zeitalter funktioniert? Da ich vor  Skype nie in jemanden verliebt war, der so weit weg wohnt -außer in Bastian aus der Unendlichen Geschichte, aber das zählt nicht- weiß ich es nicht.

Hier das Gedicht:

Es gibt Pasta                                                                              mit Tomatensauce                                                                      und Gemüsecurry                                                                         in unserer Küche                                                                          in Zürich an der Spree.

Wir essen zusammen zu Abend                                                   und manchmal schlafen wir zusammen ein.                                    Ich seh dir zu beim Zähneputzen                                                 und seh mich selbst rechts oben, ganz klein.

Wir hören zusammen Rio Reiser                                                Deine Mitbewohnerin grüßt kurz: Hoi!                                            Ich singe selbst ein bisschen leiser,                                             denn mein Mitbewohner lauscht immer mit.

Du schläfst nackt und ich                                                             mit Höschen                                                                                 in unserem Bett                                                                            in Berlin an der Limmat.

Wir küssen uns zur Guten Nacht,                                                 Du singst ein Einschlaflied.                                                          Und hörst mich leise atmen,                                                        und manchmal auch nuscheln im Traum.

Wir sitzen an der längsten Tafel der Welt,                                        auf dem grössten Bett Europas.                                                    In Zürich an der Spree,                                                                 in Berlin an der Limmat,

fast jeden Abend der Woche auf Skype.

An B.

Ich fahre zu Dir, und dabei lese ich über Dich.

Stehe am Gleis in Singen Hohentwiel -das ist im Schwarzwald- , und habe einen im Tee von Wein aus einem Pappbecher. Wie so oft bei Dir….sozusagen in Gedenken an Dich. In deinem Gedenken rauche ich eine und schnippe die Kippe auf die Schienen. So mache ich das bei Dir auch immer.

Und dieses Wochenende komme ich Dich besuchen.

Deshalb versuche ich vorher herauszufinden, was du so treibst zurzeit. Es ist Halloween, Zeitumstellung auch.

Seit einem Tag habe ich ein flaues Gefühl im Bauch. Echt als ob ich  etwas Falsches gegessen hätte. Aber es ist doch die Aufregung, Dich wiederzusehen. Bist eben doch was ganz Besonderes, und nicht leicht zu verlassen, hinter sich zu lassen. Das Grummeln im Bauch, das kenne ich aus Prüfungssituationen. Ist auch ein Quentchen Angst untergemischt.

Aber nicht ohne Grund habe ich Dich verlassen. Ich komme ja nur wieder, um Tschüs zu sagen und meine Sachen zu holen.

Eine, die Dich kennt, beschreibt Dich als  “verführerischen Freund”, der gerne sowas sagt wie “Komm schon, bleib noch etwas, trink noch etwas, du musst morgen nicht zur Arbeit”. Und dann, sagt sie, “wachst du am nächsten Morgen völlig verkatert auf und stellst fest, dass 5 Jahre deines Lebens einfach verschwunden sind”.

So ganz so würde ich das nicht formulieren. Es sind in meinem Fall drei Jahre, und sie sind nicht verschwunden, sondern teilweise

versickert, versumpft in Bars, verschwitzt in Clubs, vertanzt, verspielt, verstudiert, verschaukelt, verfahren, verdreht, versoffen, verfeiert, verschlafen, versetzt, verzweifelt, verschissen, vermisst, verloren, vergeigt, versungen, verschlampt,…..

aber nicht vergessen. Du bist nicht vergessen.

Du hast mir Dinge gezeigt, die ich sehen wollte und von denen ich geträumt habe. Du hast mir kleine Vorgeschmäcker gegeben,Häppchen- und -schluckweise auf das, was möglich ist, wenn ich es will. Manches war auch zuviel zu Schlucken für mich.

Bei Dir habe ich gelernt, mich treiben zu lassen, die Augen weit auf zu machen und zu entdecken. Eigentlich musste ich nur sitzen und gucken und geschehn lassen. Teil dieser Situation (-en) sein, die du gestaltest.

Und vielen Leuten geht es so bei Dir. Jeder will irgendwie einen Teil von Dir, ein Teil von Dir sein, oder zumindest ein Souvenir, ein Stückl vom Kuchen, das sowas von in den Dreck gefallen ist und trotzdem noch so verlockend süß und geniessbar, weil einzigartig.

Was du verlangst, …was du verlangst, ich konnte es nicht geben. Zuletzt dachte ich, ich bin an Dir zerbrochen. Oder zumindest gescheitert. Was du verlangst? Willensstärke. Die verlangst du jedem ab. Eben weil du so verführerisch bist.

In deinen Augen verliert man sich doch, verlor ich mich. So, dass ich nachts nicht schlafen konnte, weil ich dachte ich verpasse etwas, wenn ich nicht voll bei Dir, voll dabei bin. Dachte immer, meine Kondition sucht ihresgleichen, aber du, mit deiner Energie kann ich nicht mithalten.

Mein Ehrgeiz, Dich zu erobern, blieb bis zuletzt, -nein- er ist bis jetzt ungebrochen. Weisst du, ich habe mir nie eingestehn können, dass ich es nicht packe ohne diese Willensstärke und die Disziplin. Ein paarmal wurde ich dann ausgebremst, weil ich gemerkt habe, mit Dir, krasse Type, kann ich nicht mithalten. Aber die Blösse geben und vorzeitig abbrechen, aussteigen? Nein….Zusammengebrochen bin ich, sprichwörtlich. Brauchte Hilfe beim wiederaufstehn und Klarkommen, aber Dir war das egal. Doch deshalb böse sein auf Dich, das kam mir nicht in den Sinn. Kommt es mir immer noch nicht. Ich hab Dich immer so genommen, wie du bist und warst, auch wenn du dich veränderst, ständig. Denn ich kenne das und bin genauso. Das einzig Beständige ist doch der Wandel.

Und führe mich nicht in Versuchung”…dieses Mantra funktioniert bei dir nicht….Du tust es ständig und wirksam.

Philharmonie durch den Hintereingang? Generalprobe mit Rattle? Geheimclub mit Zeichen am Eingang und drinnen Champagner und Theaterikonen an den Tresen, alles für umme? Szene, Freaks und Künstler, Transen und Burlesquefiguren stecken mir ihre Kärtchen zu, Regisseure, Schauspieler, du kennst sie alle und stellst sie mir vor. Sie stellen sich mir vor, weil wir dich gemeinsam haben. Durch Dich kenne ich sie alle: Politker, Dominas, Tänzer, Varietekünstler, Kiezgroessen, Musiker, Djs…..Du machst uns bekannt und irgendwie kriegst du es hin, dass immer irgendwas geht, irgendwas fliesst, Schampus, Bier, MDMA Bowle……

Aber auch wenn ich mit dir allein bin -was selten genug ist- bedeutet deine Gegenwart, nur deine Präsenz Gewinn und Reichtum. Ich sehe Möwen, leerstehende Hochhäuser, die wie einzelne Zähne im Maul einer alten Frau ohne Gebiss stehn, der Landschaft Halt geben. Verlassene Ferienheime, Schwäne, grüne Seen, grüne Feen, Riesenwelse, Ruderboote, Platanenalleen, Wälder wie im Dschungel, wilde Füchse, die gezähmte Enten reissen, verkehrte Welten….alle nebeneineander existierend, nicht einander störend. Ko-existierend.

Nicht mehr, nicht weniger.

Diesen ganzen Zauber sehe ich, wenn ich bei dir bin. Und es ist Zauber und Realität zugleich: Pinkrosa Elfen mit Schnurrbärten in Übergrösse fallen von Schaukeln, die an Bäumen hängen mit Discokugeln, die in Gärten stehn, die keine sind,aber wie Eden sich anfühlen, so unschuldig in dreckige Flüsse. Platsch! Sündenfälle überall. Nasse getaufte desillusionierte Elfen, mit nassen Flügeln, die aussehn wie triefend nasse, vom Wind umgedrehte Regenschirmskelette.

Zuckerwatte liegt an Sommerabenden auf der Strasse. Er weht durch den Kiez und Menschen halten ihn irritiert zunächst für Schnee. Schnee bei über 25 Grad! Das ist Zuckerwatte……Ein rostiges Jahrmarktkarussell wartet darauf, gekauft zu werden und dreht sich wie zur Probe auf bessere Zeiten im Wind…..Der gleiche Wind, der auch den Zuckerwatteschnee bewegt. Doch der Grund auf dem das Karussell steht, der Grund gehört den grauen Herren. Von denen will kein anständiges Zirkuspferd kaufen. Deshalb bleibt das Karussell verlassen. Vorerst.

Dafür werden im Winter die Schwäne verdrängt von Eisdecken, auf die man Sofas stellen kann. Aufs Wasser. Wirklich wahr! Und das alles sind keine doofen Geschichten, das passiert alles wirklich, wenn ich bei Dir bin. Kein Scheiss. Das und noch soviel tausend Wunder mehr.

Und deshalb will ich eigentlich nicht mehr ohne Dich sein. Weil du mein Leben reicher machst. Aber…mit dir -ich muss es dir sagen, auch wenn es Dich nicht interessiert- …mit dir mach ichs mir auch ganz schön einfach. Weil du mich mitreisst, zwar viel abverlangst aber niemanden, auch nicht mich, zu irgendwas zwingst. Und dadurch…..du bist eben nicht fordernd….dadurch werde ich bequem und entwickle mich nicht weiter. Nicht ohne diese Willensstärke. Diese verdammte Willensstärke. Die brauche ich, wenn ich Dich bei mir haben will. Denn ich krieg dich nicht gezähmt….Eher machst du mich wild.

Der Zug kommt. Bald bin ich bei Dir.


What to do when you don’t know what to do

Here is something that some friends of mine and i worked out when we thought about what to do, what to say to people who do not know what to do in life, who are lost, who need advice, in general.

We are: a brasilian musician and street monkey, an american Kabbala student and piano player, and me,  a german hippie:

PLAN A

Get money (get rich)

PLAN B

Have a plan (or a plane!)

PLAN C

learn how to play the guitar

PLAN D

Multiply everything by O

PLAN E

Tom Waits

PLAN F

Find a way to participate in something good

….

PLAN Z

When all else fails, find out what the dolphins have to say (very important)

*Footnote: if everything else fails, try Tom Waits again.

If you follow these loose instructions, you should be fine…we are very happy that we’ve got several plans now. You too? Feels good, huh? :-)

15.09.2010

xberg, Berlin

Berlin lacht! …und Rumpel will nicht mehr.

Hinter den Kulissen des Strassentheaterfestivals “Berlin Lacht!”…ein Fragment.

Sein zerschlissenes Jokerkostüm ist über und über mit den unterschiedlichsten Knöpfen bestickt. An einem Fuß trägt er einen Schuh mit Sprungfeder, am anderen einen viel zu großen, ledernen Schnabelschuh mit Glöckchen.

Das Schild um seinen Hals sagt: “Out of order“, die Flagge in der Hand propagiert Liebe.

Zwischen zwei Auftritten auf dem Weg in den Backstage- Bereich unterhalten wir uns. Während er mit seinen dünnen Ärmchen den schweren Riesenkoffer mit Leopardenmuster hinter sich herzieht, sagt er zu mir mit dünnem, piepsigen Stimmchen :

“You know, this is my last festival….I’m doing this for 30 years now….I gotta…i think i have to look for something else to do….something that makes me more happy…”.

Rumpel, ein Clown mitten in der Sinn- und Lebenskrise.

Schon während seines Auftrittes steigen mir die Tränen in die Augen…Zwischen Federboas, Kuscheltieren, Plastikgloben, singenden Barbies, rosa Einrad, Riesentröten….einer kleinen, kindlichen Narrenwelt aus einem Koffer sieht er auf der Strassentheaterbühne aus wie ein verlorener Hase mit Riesennase, wie ein buntes, nuschelndes, einsames Überbleibsel aus einer anderen, bunteren Welt.

Rumpel

Anstrengend muss das sein, wenn die Kleider das Kostüm sind, wenn die Strasse sowohl Bühne als auch Zuhause ist. Wenn alle gucken, auch wenn man traurig ist. Wenn man einen schlechten Tag hat und deshalb der Hut fast leer bleibt.

Meine Gedanken singen

“La- la-la-la-  la-la-la- la-la-laaaa. Let’s all drink to the death of a clown”

(the Kinks)

Zum Abschied eine Umarmung. Ein trauriger Sack Knochen, lose zusammengehalten von abgewetztem Samt….Get well, Rumpel! Get well soon!

Bestellung Berlin Teil 3: ein bisschen Geld, ein bisschen Liebe

….oder:

auf Selbstzerstörungskursk im multinationalen Urban Jungle

Überraschung: mehr Rumknutschen macht nicht weniger einsam. Binge-drinking auch nicht. Das hilft alles nichts. Eine Strip-Tänzerin, ein Schauspieler, eine Blondine in Netzstrümpfen und ein Opernsänger weiter….Allein zuhause.

Karriere läuft.

Eine Zusage für Nizza (Universität), eine für Afrika (Entwicklungshilfe) und eine ausstehende für ein hippes Berliner Radio (Volo) weiter

Und der Schnee schmilzt.

Was erstmal für mich bedeutet: ich kann wieder mit High Heels zu Partys gehen und mir einiges an Taxigeld sparen.Und: ohne Jesus- Attitüde über den Kanal in Kreuzberg rennen geht erstmal nicht mehr.

Schön für die Schwäne. Mehr Platz zum Schwimmen.

Das mit dem Auf mich Konzentrieren klappt ganz gut. Trotz wärmerer Temperaturen liegen meine eigenen Liebesprobleme erstmal auf Eis.

Stattdessen löse ich die anderer Leute, zum Beispiel die des Schauspielers, der wahnsinnig verliebt ist in eine Schauspielerin. Die will sich aber trotz grosser Gefühle auf ihre Karriere konzentrieren und nach Hollywood gehen. Er hat Liebeskummer. Und knutscht mit mir. Danach freunden wir uns an. Ich sage ihm, dass Klassefrauen selten mit Worten umzuhauen bzw zu gewinnen sind, sondern eher mit Worten. Also wenn er sie wirklich liebt und sie ihn – obwohl sie nicht mit ihm zusammen sein will- soll er verdammt noch mal Taten sprechen lassen, Nägel mit Köpfen und ihr einen Antrag machen. Im folgenden helfe ich ihm, einen Ring bei Tiffanys auszusuchen für seine Angebetete. Was, wenn sie nein sagt? Ja, was soll schon sein? Dann hat er es wenigstens versucht.

Für was soll man sich denn schon zum Affen machen,wenn nicht für die Liebe???

Na bitte. Wenn sie nach Hollywood geht, dann wenigstens mit Ring. Sonst kann sie auch nicht, wie sie es jetzt tut, von ihm verlangen “auf sie zu warten”….. Da ist mir schon der Hut hoch gegangen….. ein hübscher Schauspieler in den besten der jungen Jahre, der sich für eine karrieregeile junge narzisstische Besetzungscouchsuperfrau aufheben will. Masochismus at its best. So nicht!

Nächste Bekanntschaft:

ein alternder Opernsänger, der nicht nur in seiner Herkunft zerrissen scheint. Halb russe, halb Ami. Seine Kinder und Exfrau in NY, er in Berlin. Geboren in Sibirien, russische Tiefen- Melancholie (“mein Herz ist leer”) gemischt mit amerikanisch anmutender Profanität (“wir sollten uns in Mitte treffen, ist näher an meinem Bett, da landen wir sowieso, oder?”). Der Mann ist so traurig, dass ich mir nicht vorstellen kann, welche Frau mir welchem Herzen oder welchen Titten, welche Musik oder welche Cocktail ihn mal so richtig herzlich zum Lachen bringen kann.

Selbst in meinen vermeintlich verzweifelsten Zeiten in Berlin habe ich das gemacht. Oder wenigstens herzlich geweint. Hauptsache herzlich.

Doch anstatt sich nach einer langen Probe am Theater auf gutes Essen zu freuen, bemerkt er beim Blick auf die Karte, dass er ja einen Burger will…aber dass so ungesund sei….und dass er 5 Kilo zugenommen hat im Winter….aber dass er ja schon Lust hat….”ahhh, fuck it!”…..Minutenlang geht das so.

Selten habe ich jemanden so lustlos sagen sehen, dass er auf etwas Lust hat.

Als ich ihn kennenlernte, sah der Opernsänger auf der Bühne bei der fatalen Burlesque- Veranstaltung nicht halb  so lebensfroh aus wie er beim ersten (und letzten, wer hätts gedacht?) Date verbraucht, verzweifelt und unten mit dem King wirkte. Wie poetisch, dachte ich noch, als er sagte, er kann seit drei Tagen nicht schlafen…

… später stelle sich heraus, dass er den koffeinfreien mit dem normalen Kaffee verwechselt hatte.

Shit happens.

Schon wieder was gelernt. Über Bühnenmenschen unterschiedlichster Couleur.

Jahresanfang in Berlin

Eine Runde um die Sonne
bin froh,
es ist vorbei.
Was liegen blieb, bleibt liegen.
Alte Sorgen schrumpfen, wiegen
weniger, wenig, weg.
Schnee dämpft Schmerzen.
Legt sich über den Dreck.
Kalter Wind kühlt Wundgeriebenes.
Stromschnellen frieren ein.
Der Weg im Kanal
wird für die Schwäne schmal.

Bin froh, ein Kapitel weiter,
nicht fertig, am Anfang.
Ein weißer, eingeschneiter Anfang.

Bestellung Berlin: ein bißchen Geld, ein bißchen Liebe. Teil 2

Die Stimme der Russin in der U8 zwei Sitze weiter wiegt mich ein, beruhigt mich.

Gerade noch stand ich am Bahnsteig Boddinstrasse, halb zwölf nachts, auf dem Weg nach Hause. Kurz bevor die U Bahn kommt, visualisiere ich.

Der silberne Ring am Finger mit der Perle, den ich anhabe, um nicht nichts am Finger zu haben, damit sich der rechte Ringfinger nicht nackt anfühlt. Ich sehe ihn an. Lege alles in ihn hinein.

Leonard, der meinen Stolz verletzt hat. Ich lege Constantin hinein, dessen Ring ich sieben Jahre am Finger trug. Julius, mit dem blonden Dandyhaar, der mich und nicht weiss was er will. Martin, den süßen schwedischen Mann meiner Träume, der sich nicht meldet. Sie alle sollen glücklich sein, ich wünsche es ihnen.

Ich nehme den Ring ab, werfe ihn in den Dreck der Bahngleise, zwischen die Kippen und den Rattendreck, bevor der Zug einfährt. Kurz davor. Nachhause.

Zuhause tönt mein Nachbar ins Fenster. Er wird wild beklatscht für ein Countrystück auf der Gitarre. Gibt eine Zugabe. Es ist November, ich ziehe eine Strickjacke über, höre weiter zu.

Keine Männer mehr. Ich hab mich jetzt selber lieb. Brauche niemanden, der mir Aufmerksamkeit schenkt. Denn das kann ich in der Theorie ja wohl selbst am besten.

Der Nachbar singt weiter. So geht es. Ich sehe ihn nicht, er lenkt mich gerade so ab, dass es angenehm ist. Alle anderen können sich zum Donnergrommel scheren.

Ich sehe nicht mehr wohlwollend in den Spiegel. Weiß nicht, wie lang schon nicht mehr. Andere können ja sagen, was sie denken. Meine Spiegelblicke sind rein funktional. Hab ich was auf der Nase? Sitzt der Pony, steht nix ab? O.k. Raus.

Schauen sich andere Menschen im Spiegel an und denken, wie lieb sie sich haben? Machen das viele? Meiner Erfahrung nach fühle ich mich mit einem vermeintlich exklusiven Gefühl des öfteren alleine. Doch dann stellt sich heraus, oft auch später, wenn es schon gar nicht mehr brennt: neee, das kennen die meisten. Ist wohl ein menschlicher Mechanismus. Menschlich, allzu menschlich. Darum geht es sicher nicht nur mir so. Aber das erzähle ich nicht beim Kaffee.

“Mach mal Therapie!” … ja, sobald ich die Krankenkassenbeiträge wieder regelmäßig bezahlen kann. Echt. Aber erst kommt das Fressen, dann die Moral. Das ist aber ein anderes Thema, das greife ich später auf. (Warum wir ohne Moral die besseren Menschen sind.)

Weiter.

Froschkönig. Was andre denken.

Fieberbesuch.

Keiner meldet sich.

Denke kurz nach, vor die Bahngleise zu springen.

Dann bin ich dankbar, Leonard, der mir auf der ersten Kreuzberg-Kneipentour sagte, einer meiner Punkte auf meiner unbedingt To- Do- Liste sollte sein, und zwar der erste: kein Selbsttmitleid, keine Arroganz.

Wenn ich aber doch so sehr empfänglich bin für Beeinflussung und Ablenkung, wie kann ich mich dann anders abgrenzen als so? Gut, ich lese Bücher über Achtsamkeit, Zen und Buddhismus im Allgemeinen. Sie helfen, auch in verdammt schwierigen Zeiten wie diesen ruhig zu bleiben, die Gefühle zu beobachten, Bedürfnisse und das alles nicht so ernst zu nehmen.

In den zwei Wochen in der Schweiz als Hundesitter meiner Schwester versuche ich, mich selbst zu befriedigen. Warum habe ich keine Lust auf Sex? Jedenfalls, soviel ich merke?…Ein kurzer, durch bewegte Bilder herbeigeführter Orgasmus, das ist alles. Dauert vielleicht vier Sekunden. Eine Welle, die an der Klitoris bleibt und keine Wärmewelle im Körper aussendet, den Hypothalamus nicht zum implodieren bringt.

Meine Güte, ich muss echt mal lernen, mich selbst zu lieben. Wie soll ich von anderen Superorgasmen verlangen, wenn ich das nich selbst kann? Ist das normal?

Kreuzberg November

Kreuzberg November

Ein Zimmer im Gräfekiez

Es ist montag nacht, zwei uhr im warmen september.

Mein fenster zum hinterhof, 3.stock ist offen.

gleichlaut mit dem rauschen der blätter der großen buche im hinterhof

dringt die gitarre in mein zimmer, mit männergesang.

„now my drugs won’t work, they just make it worse

and i know i’ll see your face again.“

seit stunden geht das so. ich weiss nicht wer es ist und wie er aussieht, aber sein repertoire ist erstaunlich. vorhin habe ich meine gitarre genommen und ungeschickt „village green“ von den kinks gespielt, mit noten aus dem internet, weil ich nicht so gut auswenig spielen kann.

jetzt spielen sie „let it be“.

es singen leute dazu. auch frauenstimmen. ich wäre gern bei ihnen. ein grund, warum ich die pfadfinder immer geliebt habe, ist dieser: wo man singt, da lass dich nieder, böse menschen haben keine lieder.“…oder so… stimmt natürlich nicht. Hitler hatte sicher auch seinen unvirtuellen „all time favorite“ ordner.

Ich sortiere die musik auf meiner festplatte gern nach funktion.

ein ordner heisst: uterusmucke. das hab ich mir von meiner besten freundin abgeguckt, aber ich wusste sofort, was sie meint.

der ordner deutsch ist unterteilt in „lustig“ und „nicht lustig“, wobei das nicht immer leicht auseinanderzuhalten ist. Helge, klar, lustig. funny van dannen, lustig. Die sterne? hmmm…. ich finde „ich bring euch beide um“ ja total lustig….aber „alles vergeht“ wiederum eher bittersweet.

Der ordner „gute laune“ bereitet mir schon länger kopfzerbrechen, weil ich in ihm sowohl musik ablege, die ich bei guter laune , sozusagen unterstützend und erhaltend höre als auch wenn ich in neutraler bis missmutiger stimmung bin und daran etwas ändern möchte. mood-management nennt das der kommunikationswissenschaftler. Dort liegen Toots and the Maytals neben max raabe und animal collective, sogar ein paar lieder von manu chao sind dabei. ich mag jetzt keine „wenn- der wüsste dass…blabla im grab umdrehn- floskeln bemühen, aber wie gesagt. richtig wohl fühle ich mich dabei auch nicht.

ganz gerne mag ich den „alte männer“-ordner. die alten männer sind genretechnisch sehr inhomogen, aber geben ein schönes gesamtbild ab, wenn man sich vorstellt, dass elvis costello, tom waits, paolo conte und barry white sich ein stelldichein geben in meinem kleinen ordner, das gefällt mir.

die größte herausforderung besteht nach wie vor darin, den boybands-ordner mal zu unterteilen, er wird zu gross, um übersichtlich zu sein. Allein über 30 alben von bands, die mit „the“ anfangen. Ach, das wäre ja eine gute abteilung…..the smiths, the kinks, the beatles…..obwohl, die sind ja im all time favorites-ordner….

meine nachbarn singen grade eine hingebungsvolle version von„because i got high“ mit gitarrenbegleitung.

der hip hop ordner unterteilt sich in „deutsch“ und „andere“. Jeder richtige hiphopper würde mich für dessen inhalt auslachen. Sammy de luxe neben clueso, huahuahua! Aber dann im „andere“ ordner einen auf dicke hose machen mit common, kanye west und de la soul!

mein liebster ordner heisst „somewhere over the rainbow- versionen“. Habe schon fast dreissig verschiedene. die version des stimmgewaltigen nachbarn dringt aus dem fenster an den schreibtisch.

….tage später in Mitte:

riesenregenbogen über mitte anfang september, sonntag.

“Schau, er ist fast verschwunden!”

“He doesn’t dissapear, he just appears in another place.”