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Flashmob für die Aufnahme von schutzbedürftigen Flüchtlingen in Deutschland

Vor dem *Saturn (Kaufhaus)* auf dem *Alexanderplatz*

*23. Juli von 11:55 Uhr bis 12:10 Uhr

Die Save me Kampagne ruft in Berlin und anderen Städten zum Flashmob
auf, um auf die Situation von Flüchtlingen in Nordafrika und dem Nahen
Osten aufmerksam zu machen und ihre Aufnahme in Deutschland zu verlangen.

Kommt am 23. Juli um 11:55 Uhr auf den Alexanderplatz ! Bringt
Schwimmflügel, Rettungsringe, Gummiboote und sonstige Badesachen mit !
Fordert ?Save Me !? auf Schildern und Transparenten !

Die politischen Umbrüche in Tunesien und Ägypten und die Kämpfe in
Syrien und Libyen zwingen viele Menschen zur Flucht. Auch Menschen aus
Somalia, Eritrea, Sudan, Irak und anderen Ländern, die in Libyen
Zuflucht gefunden hatten, befinden sich erneut in akuter Bedrohung.
Viele von ihnen wurden vom UN-Flüchtlingswerk als schutzbedürftige
Flüchtlinge anerkannt und können auf lange Sicht nicht mehr in ihre
Herkunftsländer zurückkehren. Auch in der Türkei sitzen tausende
Menschen fest, denen die türkische Regierung keinen ausreichenden Schutz
gewährt.

Das UN-Flüchtlingswerk hat wiederholt an die EU-Staaten appelliert, sich
an der Aufnahme von Flüchtlingen aus den Krisengebieten zu beteiligen.
Weil die europäischen Staaten bisher kaum auf diese dringenden
Forderungen reagierten, sehen viele Menschen nur einen Ausweg: die
lebensgefährliche Flucht über das Mittelmeer. Über 1600 Menschen sind
dabei seit Anfang 2011 ums Leben gekommen.

Europa muss endlich Verantwortung übernehmen! Deshalb fordern wir von
der Bundesregierung die Aufnahme von schutzbedürftigen Flüchtlingen aus
Nordafrika und dem Nahen Osten und die regelmäßige Aufnahme und
Integration von Flüchtlingskontingenten über das Resettlement-Programm
der Vereinten Nationen.

*Deshalb: kommt am 23. Juli um 11:55 Uhr mit Rettungsringen, Badesachen
und Transparenten zum Flashmob auf den Alexanderplatz (Vor dem Gebäude
des Saturn Kaufhauses)!
*
*Bitte leitet dieses Nachricht an möglichst Vielen Personen weiter!!!*

Auf facebook: http://www.facebook.com/event.php?eid=211438605568483

Im Netz: http://www.save-me-berlin.de/terminleser/events/flashmob-fuer-die-aufnahme-von-schutzbeduerftigen-fluechtlingen-in-deutschland.html

Das Konzept: Kein Konzept!

Die Lesedüne feiert 5- Jähriges Jubiläum

Unter dem Motto „Berlin ist Treibsand“ liess sich die Lesedüne nun die letzten 5 Jahre durch die Hauptstadt treiben…vom ersten betrunkenen Auftritt am Bundespressestrand übers Edelweiss im Görlitzer Park bis in den Monarch am Kottbusser Tor.

Und genau dort, im Herzen des deutschen Grosstadtwahnsinns wurde Ende Mai dann auch gefeiert.

Um die 450 Gäste kamen in den Festsaal Kreuzberg, um Marc-Uwe Kling und Sebastian Lehmann, Maik Martschinkowsky und Kolja Reichert …und Neuzugang Julius Fischer lesen zu hören.

One in, one out: Kolja Reichelt verlässt die Lesedüne, dafür kommt Julius Richter, der eigentlich in Leipzig wohnte

Nach einer kleinen Ansprache von Marc-Uwe ging es los, mit einem Text über die Lesedüne.  Zur Feier des Tages ein wenig Selbstreflexion . Wenn man Geburtstag hat, geht das schon klar.

Wie kann das eigentlich sein, dass wir so lange funktioniert haben? fragen sich die Jungs. Jeder der vier hat so seine Herangehensweise und eigene Vorlieben…Alle verbindet die Liebe zum “systemrelevanten Humor”.

Und schliesslich haben sie ein Konzept: kein Konzept!

Sebastian Lehmann las aus seinem neuen Buch mit dem entzückenden Namen: „Sebastian, oder: das Leben ist nur ein Schluck aus der Flasche der Geschichte“.

Nervige Fragen von Verwandten auf Familientreffen bezüglich der eigenen Berufswahl und Zukunft war das Thema….“Kann man davon leben?”.

Am Titel merkt man es schon: Sebastian schreibt meist –oder immer- über sich und was er erlebt, der persönliche Blick ist immer da und auch wichtig. Gesellschaftskritik ist wichtig und gut, aber um glaubwürdig zu sein, darf man nicht aufschneiden und nicht von Sachen reden, die man nicht selbst erlebt –oder wenigstens richtig gut durchdacht und ausdiskutiert- hat. Wie die anderen drei auch, will sich Sebastian gar nicht so wichtig nehmen. Sie sind  es aber nichtsdestoweniger. Aus der Berliner Poetry Slam- und Lesebühnen- Szene sind sie jedenfalls nicht mehr wegzudenken.

Dota, die Kleingeldprinzessin kam ohne ihre Stadtpiraten und spielte auf ihrer akustischen Gitarre Lieder ihres neuen Albums „Solo Live“, übers Suchen und Finden, in bekannter und geliebter Taschen-Swing-Bossa-Nova- Manier.

Und so weggeweht in die besungenen Landschaften, Wälder und Moore, Wiesen und Stadtgrün war ich da beim Zuhören, dass erst, als sie die Gitarre ablegte, und sich setzte, sah, dass sich da auf dem Liedermacherinnenbauch eine deutliche  Kugel abzeichnete. Dota erwartet offensichtlich Dichternachwuchs! Das könnte eine Erklärung sein für das Leuchten, dass sie irgendwie zu umgeben schien.

“Kommt alle! Es wird schön!” hiess es auf der Webseite der Lesedüne.

Hach, und das war es dann auch…

Dass dann am Merchandising-Stand zwischen CD’s und Büchern des Kollektivs auch noch Umsonst- Aufkleber mit der Aufschrift “Scheissladen” auslagen, gefiel mit ausgesprochen gut. Für diese Art von systemrelevanten Humor hatte ich dann auch gleich Verwendung, beim S-Bahn-Fahren heute morgen…

Radiocamp 2011 im St. Pauli Stadion in Hamburg

Es ist Freitag der 13. Mai 2011.

Normalerweise spielt hier der FC St. Pauli um den Auf- oder gegen den Abstieg. Heute finden sich im Stadion in Altona Menschen ein, die in Deutschland Webradio machen. Im grossen Hauptraum, der normalerweise den Fans des Hamburger Fussballclubs als Aufenthaltsraum dient, ist auf der einen Seite ein Buffet aufgebaut, auf der anderen Seite des Lagerhallengrossen Raumes sind Stände aufgebaut von Streaming- Anbietern, Software- providern und anderen Unternehmen, die irgendwie mit Webradio zu tun haben.

Anlass des Zusammentreffens: Das Radiocamp 2011 unter dem Motto:

Lokal sein, Sozial sein, mobil sein.

Es gibt Vorträge und Panel- Diskussionen, einen Preis für Innovation und eine Afterparty später. In 3 Themenbereichen, neudeutsch “Tracks” untergebracht gliedern sich die Themen des Tages: Trends, Technologie und Business. Nach der Begrüßung und einer Rede von NPR- Chef  Michael Yoch starten die Gesprächsrunden und Diskussionen.

“Dudelfunk vs. Inhalte- /Renaissance der Inhalte- wie sich das Radio neu erfindet”, so lautet die erste Gesprächsrunde. Eine aktuelle Analyse der Marktentwicklung soll es geben. Doch die vier Referenten, allesamt erfolgreiche Online- Radio- Betreiber- bleiben grösstenteils bei sich und ihren Egos hängen.

Die Situation: Das klassische Formatradio, so wie wir es kennen und es nervt, ist im Umbruch- Gottseidank. Neue Herausforderungen, durch geändertes Hörverhalten der Radioanhänger, zwingt die Radioamacher, sich zu verändern.

Neue Programme, neue Ansätze und neue “Herausforderungen” (bäh- Callcenterslang für “wenn wir nich bald was machen stehn wir auf der Strasse”).

Christian Bollert von detektor.fm und Mona Rübsamen von MOTOR.FM fallen auf: “Wir machen gute Musik, wir haben die Leidenschaft”, ist die Botschaft. Nur: sie sagen es nicht, nicht so direkt wie der Bayern3- …. Der betont, wie der Wetterbericht auf seinem Sender in Bayern den Umfragen nach von Platz 3 auf Platz 1 aufgestiegen ist. Warum? “Die Meterologen sind die Gleichen, die Redakteure sind immer noch die Gleichen, wir haben nur einfach den Claim geändert vor dem Wetter. Nun heisst es bei Bayern3: “Bayerns bester Wetterbericht”. Und zack- Platz eins.” Hurra! was bringt viel und kostet wenig? Insgeheimes allgemeines Augenrollen.

MotorFM Frau der ersten Stunde, Mona Rübsamen, wirkt dagegen eloquent. Sie hat Geschmack und folgt ihm. Sie kann es sich inzwischen leisten. Und deshalb glaubt sie auch daran, dass etwas gut sein kann jenseits des Mainstream. Der Erfolg gibt ihr Recht. Ein Rezept für die Zukunft des Webradio: “Man muss die Leute aktivieren, sie vernetzen.” Sie geniesst es, nach einem Aufruf a la “Was denkt ihr zu..?” im terrestrischen Radio zu beobachten, wie sich die Diskussionen im Netz, zum Beispiel auf facebook, lebhaft fortsetzen.

Das Aktivieren der Hörer im Webradio ist ein entscheidender Punkt. Im Gegensatz zum UKW- Radio ist das Feedback des Hörers viel leichter, direkter und schneller: sei es durch emails, per twitter, facebook oder auf den Plattform- Seiten der Webradios selbst. Dass das eine echte Chance sein kann, vesteht Frau Rübsamen: ” Wenn es eine Community gibt, das heisst, eine Möglichlkeit, so eine Beziehung aufzubauen mit dem Hörer, dann ist er auch aktivierbar.

Zur Unterscheidung von klassischem zum Webradio: die Eigenleistung, die ein Hörer des UKW- Radios aufbringen muss, um das Programm seinr Wahl zu hören, ist, je nachdem, ob im Auto oder in einem Raum oder sonstwo: Schlüssel umdrehen. Oder anschalten. Klick. Surr. Brumm.Und los gehts.

Ganz anders verhält es sich da mit dem Webradio. Da will der Computer eingeschaltet werden, hochgefahren. Dann ins Internet- der Browser startet nicht automatisch in den meisten Fällen- ,- klick- dann auf die Seite des Streaming- Anbieters oder direkt auf die Webseite des Webradios…….Das sind schon ein paar Schritte mehr, will sagen: die “Aktivierung” des Hörers ist ungleich aufwändiger.

Alle sind sich jedoch einig: Leidenschaft braucht man, um Radio zu machen.

Und Authentizität.

Und es ist eine “Herausforderung”, jetzt, in den -immer noch- Anfangszeiten des Internetradios. Sogar von den paar und eins Webradios, die 10 bis 15 Jahre dabei sind, schaffen es nur eine Handvoll den Break-Even, will sagen, am Ende des Monats bei Null rauskommen.

Sehr wirtschaftlich geht es zu in den Räumen des St. Pauli-Stadions in Hamburg. Schliesslich will jeder der Anwesenden Geld damit verdienen. Von Goldgräberstimmung kann jedoch nicht die Rede sein. Ideen und gute, kluge Köpfe sind hier mehr vorhanden als “Monetizität”….oder wie heisst das? Keiner weiss es.

In der Mittagspause wartet Gemüsesuppe auf die Teilnehmer. Auf dem Hof führt ein müde wirkender Vertriebsangestellter von BMW, Abteilung Software, die neue, Webradiofähige Mittelkonsole des 57.000 € teuren knallroten Cabrios der selben Marke vor. Angepasst allein auf  IPhones. Wenn man also einen BMW hat und ein I Phone, kann man in Deutschland beim BMW Fahren übers Iphone Webradio hören. Grossartig. Dann wissen wir das jetzt auch.

Aber im Ernst: natürlich ist es ein unerschlossener Markt, das Webradio im Auto. Immerhin hat jedes Auto ein Radio und ein Grossteil der Deutschen fahren zur Hörerstärksten Zeit des Radios am Tage Auto, nämlich morgens zwischen 7 und 9 Uhr . Deswegen wird die auch “Drivetime” genannt.

Überhaupt sind Anglizismen total angesagt im Radiocamp und bei Radiomachern. Oder Medienmachern im Allgemeinen? Whatever.

Positiv fällt auch der Alteingesessene technobase.fm- Mann … auf. In jeder Gesprächsrunde redet er, wie ihm der Schnabel gewachsen ist. und der ist gerade und hart gewachsen. auf die Gemeinschaft lege er Wert, zuallererst. Die war schliesslich vor dem ganzen Internetradio da.. Letzeres ist nur dazu da, um die Community zu verbinden, zusammenzuhalten. Ihnen eine Plattform zu liefern. Deshalb sei auch der Kontakt zu den Hörern so wichtig.

Bei ihm klingt das wie ein echtes Anliegen. Bei anderen, wie dem Sender … kann man es auch leicht und ohne schlechtes Gewissen in die Schublade “PR-Marketing-Geschwätz” stecken.

Nach dem Motto: “Wir nehmen unsere Hörer echt ernst- …. (weil wir ja mit Ihnen die Kohle verdienen, auf die wir nicht verzichten wollen)”.

Ich weiss eins: mit Kohle oder ohne, ich will in Zukunft nicht auf gutes Radio verzichten!

BONOBO in MARIA

Bonobo Balloon

Liest man im Netz über Bonobo, dann stösst man auf einen einzelnen Namen: Simon Green.

Doch Bonobo ist kein Soloprojekt.

Auf der Bühne in der Maria spielt links ein grossgewachsener Kerl Schlagzeug. Enthusiastisch und mit konstanter Schlagkraft trommelt er die ganzen zwei Stunden durch. Wie heisst dieser Mann?

Auf der rechten Seite der Bühne wechselt ein anderer junger Mann zwischen zwei verschiedenen Saxophonen, Klarinette, und Querflöte. Simon spielt Bass und steht am Laptop.

Dann und wann betritt Sängerin Bajka die Bühne. Dabei war ich mir sicher, sie sei schwarz. Aber das zierliche Fräulein mit den blauen Federohrringen und dem Buddhalächeln, so in sich ruhend, so viel Soul in der Stimme ist hellhäutig. Blödes Klischee – honest mistake. Aber dieser ruhige, unaufgeregte Soul passt so gut zum dowmtempo- Beat, zum multiinstrumentalen Klangteppich, der durch die vollgestopfte Maria wabert… Ich bin verzaubert.

Schade, dass es die Maria am Ostbahnhof bald nicht mehr gibt…

Dickes Demütiges Danke

Es geht beim Dicken Demütigen Danke darum, dass

… die eigenen Worte manchmal nicht reichen, um etwas treffsicher zu beschreiben, das Bedürfnis danach aber gross ist.

Kennt man. Dann finde ich andere, viel bessere. Besser, um mich zu trösten oder meinen Gemütszustand zu beschreiben. Oder einen gesellschaftlichen Zustand. Dann leihe ich mir diese Worte, Produkte fremden geistigen Schaffens.

Ich zahle dann keine Gema dafür, sonder bedanke mich und verbreite sie. Verneige mich in Gedanken vor der sprachlichen Eleganz, der Originalität,der Schönheit der Sprache, der Treffsicherheit. Schönheit will ja verbreitet werden. Und wahre Schönheit kostet auch nix. So stelle ich diese dankenswerten Worte hierhin, auf meinen Blog.

Heute:

Heute ein dickes demütiges Dankeschön an Jochen Distelmeyer, für diesen Satz.
Wenn es auch ein indirektes Zitat ist -Rocko Schamoni zitiert in seinem Debutroman Jochen.
Blumfeld- Fans, zu denen ich mich nur am Rande zähle- kennen das Gefühl des “Sich- Verstanden- Fühlens” von den Liedern über Welt, Liebe, Schmerz, etc…

Aber mein Herz jauchzt kurz, wenn ich mir vorstelle, Jochen sitzt bei einer Besprechung, hört eine halbe Stunde zu, um dann hiermit zu antworten:

“Weg ist klar, Ziel ist klar, die Zeit der Grabenkämpfe ist vorbei, wir müssen unsere sensitive Produktivität bündeln, intellektuelle Zärtlichkeit kann als Waffe ungemein klärend wirken, legen wir uns auf den Boden und schießen uns selber ab!”
jochen distelmeyer

WORD.

Jetzt mal Tacheles geredet!

12 Jahre ist es her, da habe ich das Künstlerhaus Tacheles das erste Mal besucht.
Damals war ich eine 16-Jährige Pfadfinderin, wohnte im Schwarzwald und kam zum ersten Mal nach Berlin.

Unsere Pfadfindergruppe ist damals 14 Stunden lang mit Wochenendtickets durch Deutschland gefahren, in Bummelzügen, mit ein Dutzend Mal Umsteigen.

In Berlin angekommen, sind wir sofort ins Tacheles, der Ruf des alternativen Hauses drang bis ans andere Ende der Republik zu uns. Wir folgten ihm, in fiebriger Aufregung.

Ganze 14 Stunden Aufenthalt hatten wir dann, bis wir uns wieder in den Zug nachhause setzen mussten, damit wir das Hinfahrtticket noch für die Rückfahrt nutzen konnten. Die dauerte dann wieder 14 Stunden.

Und alles wegen des Tacheles!!!

Damit wir jungen Pfadis, die meisten linke Antifa-Punks und/ oder Hippies, auf jeden Fall Misfits im besten Sinne, das grosstädtische Kultur- Unikat mit eigenen Augen sehen konnten.

Beim ersten Gang durch das halbverfallene, graffitiverzierte Haus mit den offenen Türen, den verwinkelten Fluren, hinter jeder Ecke ein Abenteuer, ein Riesenspielplatz für Menschen, die Kunst machten oder hier einfach nur ein Platz unter Gleichgesinnten suchten…..beim ersten Entdecken fiel die Entscheidung:

ich ziehe eines Tages nach Berlin!

Hier gibt es Platz für Misfits! Hier darf man anders sein und es ist gut so! Hier ist es nicht assi, sondern gehört zur urbanen Kultur!

Jetzt bin ich fast 30 und immer noch unangepasst. Mein Leben ist keins aus dem Ikea- Katalog, kein glattsaniertes Mitte-Leben, mit Yoga, Kokoswasser und After-Work-Partys. Und: Ich bin nicht allein, wir sind viele! Bei aller Vorwärtsgewandtheit brauchen wir Projekte wie das Tacheles!

Das Besondere an Mitte ist das Tacheles. Punkt. Es ist weder reproduzier- noch ersetzbar.
Das Haus in der Oranienburger Strasse zu zerstören und dort tätigen Künstler ihren Freiraum zu nehmen, käme einem endgültigen Todesstoss des Viertels gleich.

Und hier ein Manifest von BERLIN FREE CITY, einer Vereinigung von Kunst- und Kulturschaffenden, die sich für “Wachstum und Erhalt einer lebendigen, offenen und dynamischen ALTERNATIVEN Kunst- und Kulturszene als
einen überlebensnotwendigen Teil der Stadtentwicklungspolitik”
einsetzen:

http://berlinfreecity.org/

Allzeit bereit!, sagt die Pfadfinderin in mir. Ich bin bereit, mit euch zu kämpfen, Tacheles- Freunde!

MFG Erlangen- Stuttgart…oder viele Arten von “Anders”

Oleg ist IT Berater und nimmt 12 Euro dafür, dass er die beiden anderen Mitfahrer und mich drei Stunden vollquatscht. Jeder Satz beginnt mit : „ICH….blablabla“. Von seinem Leben und seiner Denkweise weiss ich nach einer Stunde schon mehr als von manchen alten Freunden.

Fragen stellen wir wenige, aber das ist auch nicht nötig. Ich weiss jetzt mehr über die Herstellung von Autoteilen bei BMW, Müllverbrennungsanlagen, die politischen Zustände in Bulgarien, Hitler, Putin und die CSU als noch am Morgen.

Die beiden anderen Mitfahrer sind ein Pärchen. Ulli und Fabian sehen aus wie modisch aufgeweckte, gebildete Mitzwanziger, unverdächtig, mit wachem Blick sehen sie mich vom Rücksitz aus an.

Sie sind Zeugen Jehovas und haben die letzten zwei Jahre in Paraguay verbracht. Leben von Ihrem Ersparten und missioinieren nebenbei die katholisch-schamanischen Ureinwohner. Fabian hat BWL studiert an der Berufsakademie bei Siemens und wusste schon während des Studiums, dass er nicht der richtige ist für einen Bürojob. Ulli hat eine Ausbildung gemacht als Fachfrau für visuelles Marketing.

Als ich auf Olegs Berufsbeschreibung – IT-Berater- mit spöttischem Unterton erwidere: „Ah, Con-sul-tant!“ lachten wir.

Ja, eine Putzfrau heisst ja heute auch Facility Manager!“, kichert Oleg, und sein dicker Bauch wackelt hinterm Steuer.

„Und ein Head of Facility Management is ooch bloss n Hausmeister“, bemerke ich.

Ok, Ulli ist “Fachfrau für visuelles Marketing, in alt- deutsch also ausgebildete Dekorateurin. Und die Botschaft Jesu ist ihr wichtig. Warum auch nicht. Ich habe da nix gegen, sollen die mal.

Als ich 13, 14 Jahre alt war und oft allein zuhause, habe ich die Zeigen Jehovas auch ein paar Male reingelassen, sie zum Kaffee eingeladen, mir Bücher mit Bildern vom Paradies schenken lassen:  hübsche Frauen in griechisch anmutenden Togas, die auf grün- beblumten Wiesen stehen und Löwen streicheln. „Mirkaufetnix“- rauskomplementieren kann ja jeder. Ausserdem kann ich ja jetzt nicht fliehen. Also höre ich mir an, was sie zu sagen haben.

Es ist sehr anstrengend, anders zu sein“, sagt Oleg.

Ich lache auf. „Das könnte ich mir auf ein T-Shirt drucken“, sage ich, um meine Reaktion zu erklären.

Hundert Kilometer weiter auf der grell sonnigen Autobahn weiter, Kant haben wir diskutiert, Fabian kann den Kategorischen Imperativ im Original- Wortlaut wiedergeben, ich nur sinngemäss.

So viel IQ in diesem Auto auf einmal hatte ich noch nie“, ruft Oleg, begeistert und verwundert. „Ich rede so, was mir auf der Zunge liegt, ich bin sehr direkt.“

Er sieht die Welt “wie sie ist” und das bedeutet bei Oleg schwarz- weiß, aber eigentlich schwarz. Wir sind sehr verschieden.

Die meisten fahren nur einmal bei mir mit“, sagt Oleg fast am Ende der Fahrt. „Das hättest du uns mal vorher sagen können“, erwidere ich. Wir lachen alle laut und verabschieden uns schnell.

 

Eine Woche später klingelt mein Handy. Oleg ruft an.

Er stammelt eine Weile unverständliches Zeug. Ich glaube, er will anbandeln. Weil er sich verstanden gefühlt hat vielleicht. Weil er denkt, ich sei auch anders.

Wie viele Arten von anders es wohl gibt?

An B.

Ich fahre zu Dir, und dabei lese ich über Dich.

Stehe am Gleis in Singen Hohentwiel -das ist im Schwarzwald- , und habe einen im Tee von Wein aus einem Pappbecher. Wie so oft bei Dir….sozusagen in Gedenken an Dich. In deinem Gedenken rauche ich eine und schnippe die Kippe auf die Schienen. So mache ich das bei Dir auch immer.

Und dieses Wochenende komme ich Dich besuchen.

Deshalb versuche ich vorher herauszufinden, was du so treibst zurzeit. Es ist Halloween, Zeitumstellung auch.

Seit einem Tag habe ich ein flaues Gefühl im Bauch. Echt als ob ich  etwas Falsches gegessen hätte. Aber es ist doch die Aufregung, Dich wiederzusehen. Bist eben doch was ganz Besonderes, und nicht leicht zu verlassen, hinter sich zu lassen. Das Grummeln im Bauch, das kenne ich aus Prüfungssituationen. Ist auch ein Quentchen Angst untergemischt.

Aber nicht ohne Grund habe ich Dich verlassen. Ich komme ja nur wieder, um Tschüs zu sagen und meine Sachen zu holen.

Eine, die Dich kennt, beschreibt Dich als  “verführerischen Freund”, der gerne sowas sagt wie “Komm schon, bleib noch etwas, trink noch etwas, du musst morgen nicht zur Arbeit”. Und dann, sagt sie, “wachst du am nächsten Morgen völlig verkatert auf und stellst fest, dass 5 Jahre deines Lebens einfach verschwunden sind”.

So ganz so würde ich das nicht formulieren. Es sind in meinem Fall drei Jahre, und sie sind nicht verschwunden, sondern teilweise

versickert, versumpft in Bars, verschwitzt in Clubs, vertanzt, verspielt, verstudiert, verschaukelt, verfahren, verdreht, versoffen, verfeiert, verschlafen, versetzt, verzweifelt, verschissen, vermisst, verloren, vergeigt, versungen, verschlampt,…..

aber nicht vergessen. Du bist nicht vergessen.

Du hast mir Dinge gezeigt, die ich sehen wollte und von denen ich geträumt habe. Du hast mir kleine Vorgeschmäcker gegeben,Häppchen- und -schluckweise auf das, was möglich ist, wenn ich es will. Manches war auch zuviel zu Schlucken für mich.

Bei Dir habe ich gelernt, mich treiben zu lassen, die Augen weit auf zu machen und zu entdecken. Eigentlich musste ich nur sitzen und gucken und geschehn lassen. Teil dieser Situation (-en) sein, die du gestaltest.

Und vielen Leuten geht es so bei Dir. Jeder will irgendwie einen Teil von Dir, ein Teil von Dir sein, oder zumindest ein Souvenir, ein Stückl vom Kuchen, das sowas von in den Dreck gefallen ist und trotzdem noch so verlockend süß und geniessbar, weil einzigartig.

Was du verlangst, …was du verlangst, ich konnte es nicht geben. Zuletzt dachte ich, ich bin an Dir zerbrochen. Oder zumindest gescheitert. Was du verlangst? Willensstärke. Die verlangst du jedem ab. Eben weil du so verführerisch bist.

In deinen Augen verliert man sich doch, verlor ich mich. So, dass ich nachts nicht schlafen konnte, weil ich dachte ich verpasse etwas, wenn ich nicht voll bei Dir, voll dabei bin. Dachte immer, meine Kondition sucht ihresgleichen, aber du, mit deiner Energie kann ich nicht mithalten.

Mein Ehrgeiz, Dich zu erobern, blieb bis zuletzt, -nein- er ist bis jetzt ungebrochen. Weisst du, ich habe mir nie eingestehn können, dass ich es nicht packe ohne diese Willensstärke und die Disziplin. Ein paarmal wurde ich dann ausgebremst, weil ich gemerkt habe, mit Dir, krasse Type, kann ich nicht mithalten. Aber die Blösse geben und vorzeitig abbrechen, aussteigen? Nein….Zusammengebrochen bin ich, sprichwörtlich. Brauchte Hilfe beim wiederaufstehn und Klarkommen, aber Dir war das egal. Doch deshalb böse sein auf Dich, das kam mir nicht in den Sinn. Kommt es mir immer noch nicht. Ich hab Dich immer so genommen, wie du bist und warst, auch wenn du dich veränderst, ständig. Denn ich kenne das und bin genauso. Das einzig Beständige ist doch der Wandel.

Und führe mich nicht in Versuchung”…dieses Mantra funktioniert bei dir nicht….Du tust es ständig und wirksam.

Philharmonie durch den Hintereingang? Generalprobe mit Rattle? Geheimclub mit Zeichen am Eingang und drinnen Champagner und Theaterikonen an den Tresen, alles für umme? Szene, Freaks und Künstler, Transen und Burlesquefiguren stecken mir ihre Kärtchen zu, Regisseure, Schauspieler, du kennst sie alle und stellst sie mir vor. Sie stellen sich mir vor, weil wir dich gemeinsam haben. Durch Dich kenne ich sie alle: Politker, Dominas, Tänzer, Varietekünstler, Kiezgroessen, Musiker, Djs…..Du machst uns bekannt und irgendwie kriegst du es hin, dass immer irgendwas geht, irgendwas fliesst, Schampus, Bier, MDMA Bowle……

Aber auch wenn ich mit dir allein bin -was selten genug ist- bedeutet deine Gegenwart, nur deine Präsenz Gewinn und Reichtum. Ich sehe Möwen, leerstehende Hochhäuser, die wie einzelne Zähne im Maul einer alten Frau ohne Gebiss stehn, der Landschaft Halt geben. Verlassene Ferienheime, Schwäne, grüne Seen, grüne Feen, Riesenwelse, Ruderboote, Platanenalleen, Wälder wie im Dschungel, wilde Füchse, die gezähmte Enten reissen, verkehrte Welten….alle nebeneineander existierend, nicht einander störend. Ko-existierend.

Nicht mehr, nicht weniger.

Diesen ganzen Zauber sehe ich, wenn ich bei dir bin. Und es ist Zauber und Realität zugleich: Pinkrosa Elfen mit Schnurrbärten in Übergrösse fallen von Schaukeln, die an Bäumen hängen mit Discokugeln, die in Gärten stehn, die keine sind,aber wie Eden sich anfühlen, so unschuldig in dreckige Flüsse. Platsch! Sündenfälle überall. Nasse getaufte desillusionierte Elfen, mit nassen Flügeln, die aussehn wie triefend nasse, vom Wind umgedrehte Regenschirmskelette.

Zuckerwatte liegt an Sommerabenden auf der Strasse. Er weht durch den Kiez und Menschen halten ihn irritiert zunächst für Schnee. Schnee bei über 25 Grad! Das ist Zuckerwatte……Ein rostiges Jahrmarktkarussell wartet darauf, gekauft zu werden und dreht sich wie zur Probe auf bessere Zeiten im Wind…..Der gleiche Wind, der auch den Zuckerwatteschnee bewegt. Doch der Grund auf dem das Karussell steht, der Grund gehört den grauen Herren. Von denen will kein anständiges Zirkuspferd kaufen. Deshalb bleibt das Karussell verlassen. Vorerst.

Dafür werden im Winter die Schwäne verdrängt von Eisdecken, auf die man Sofas stellen kann. Aufs Wasser. Wirklich wahr! Und das alles sind keine doofen Geschichten, das passiert alles wirklich, wenn ich bei Dir bin. Kein Scheiss. Das und noch soviel tausend Wunder mehr.

Und deshalb will ich eigentlich nicht mehr ohne Dich sein. Weil du mein Leben reicher machst. Aber…mit dir -ich muss es dir sagen, auch wenn es Dich nicht interessiert- …mit dir mach ichs mir auch ganz schön einfach. Weil du mich mitreisst, zwar viel abverlangst aber niemanden, auch nicht mich, zu irgendwas zwingst. Und dadurch…..du bist eben nicht fordernd….dadurch werde ich bequem und entwickle mich nicht weiter. Nicht ohne diese Willensstärke. Diese verdammte Willensstärke. Die brauche ich, wenn ich Dich bei mir haben will. Denn ich krieg dich nicht gezähmt….Eher machst du mich wild.

Der Zug kommt. Bald bin ich bei Dir.


Dear Deerhunter! …oder die Erinnerung an eine Zeit, die es nie so gegeben hat

Meine musikalische Neuentdeckung: die Band Deerhunter.

Auf FM4 höre ich einen Bericht über die Musiker aus Atlanta. Und fühle mich angesprochen, persönlich, wie schon lange nicht mehr bei einer Band, bin gefangen, besonders vom Frontsänger und den Themen, die ihn umtreiben:

“Bei Deerhunter – eben auch auf der mittlerweile vierten Platte Halcyon Digest – lauscht man den Echos der längst vergangenen Jugendtage. Unerfüllte Träume treffen auf verstorbene Freunde, auf Ohnmacht und Angst. Oder wie es Bradford Cox in eigenen Worten sagen würde:

“…to a collection of fond memories and even invented ones, like my friendship with Ricky Wilson or the fact that I live in an abandoned victorian autoharp factory. The way that we write and rewrite and edit our memories to be a digest version of what we want to remember, and how that’s kind of sad.”

member of the band Deerhunter

…diese Erfahrung mache ich am eigenen Leib…..jetzt wird es persönlich!

Musste kürzlich feststellen, dass meine Erfahrungen von Gewalt in meiner Kindheit nicht vom (ohnehin nicht satisfaktionsfähigen) Ex- Stiefvater rühren, wie ich es immer glaubte, erlebt zu haben und auch erzählte, sondern die Gewälttäterin in Wahrheit meine Mutter war.

Das stellte sich vor zwei Tagen heraus, in einer Unterhaltung mit meiner acht Jahre älteren Schwester. Das Gefühl des Begreifens in diesem Moment lässt sich schwer beschreiben. Erst Leugnen, dann Unverständnis, dann Verwirrung, später Akzeptanz, als es unbestreitbar klar wird, dass ich das falsch abgespeichert hatte, fast 20 Jahre lang…

So hatte ich das nicht abgespeichert.

Langsam beginne ich deshalb auch die Fantasiewelt als Gegebene zu akzeptieren.

Wie kann sie weniger real sein, wenn sie genauso in unserem Kopf existiert wie die sich ständig umbildende von uns so genannte Realität, die wir uns auch ständig selbst schaffen, wie Kleider, die wir selbst auf Leib geschneidert haben und uns rauslegen für den nächsten Tag übers Stuhlbein, parat.

Falls jemand fragt: wo kommst du her? Was hast du erlebt als Kind? Wie bist du aufgewachsen?

Dann habe ich, wie viele wahrscheinlich, eine massgeschneiderte Erinnerung auf Lager, oder eine Phrase, eine Anekdote, eine Geschichte, eine Erklärung für das Heute vielleicht sogar. …Eine selbst erfundene, zu grossen Teilen.

Was wahr ist?

Ich kann erzählen über die Fantasiewelten, in denen ich als Kind gelebt habe. Ich spüre sie noch wie manche Alpträume, die sich wiederholten.

Eine breite Fensterbank aus Stein, der fühlt sich kalt an, ich bin vier oder fünf oder sechs Jahre alt, sitze darauf mit angezogenen Knien, schaue auf die dunkle Strasse runter, zweiter Stock. Unten ein erleuchtetes Schausfenster eines Hifi- Ladens, es blinkt bunt. Der unbeleuchtete Raum, in dem ich mich befinde im Traum ist mein grosses Kinderzimmer, daran angeschlossen das kleinere Zimmer meiner grossen Schwester. Ich bin allein.Von der Tür her kommt etwas dunkles, schwarzes auf mich zugekrochen. Es ist gross. Ich kann nicht aufhören, darauf zu starren, es kommt näher und näher, und als es genau vor mir, unter mir auf dem Boden ist, erhebt es sich….es ist der schwarze Mann.

Ich erwache.

Diese Traumwelten stehn übrigens genau gleichwertig und scharf und klar vor meinem inneren Auge wie die realen Bilder meiner Grundschulzeit, des Hauses, in dem ich aufwuchs, der Dinge, die sich da drin abspielten:

gefühlte Stunden allein mit einer nicht aufessbaren Forelle, deren Augen mich anstarren, vom Teller auf der bunten Wachstuchdecke aus. Auf dem hellen Kiefernholztisch, in eine Eckbänke gedrängt sitzend in einer Küche mit schiefem Boden und schwarz weiss karierten PVC- Kacheln. Die bunte Wanduhr tickt, rundes Plastik, um die meine Mutter auf die Rauhfasertapete mit Acrylfarbe ein übergrosses Swatch- Armband gezeichnet hat. TickTick……..

Kein Erwachen. Meine Mutter will, dass ich den Fisch aufesse.

Oder war es ganz anders?

Erinnere ich mich wirklich daran oder habe ich das alles so umgebaut, wie ich es erinnern will? Ist dieser Fisch und die Erinnerung daran eine leicht verdauliche Version dessen, was war, wie Bradford Cox sagt?

Berlin lacht! …und Rumpel will nicht mehr.

Hinter den Kulissen des Strassentheaterfestivals “Berlin Lacht!”…ein Fragment.

Sein zerschlissenes Jokerkostüm ist über und über mit den unterschiedlichsten Knöpfen bestickt. An einem Fuß trägt er einen Schuh mit Sprungfeder, am anderen einen viel zu großen, ledernen Schnabelschuh mit Glöckchen.

Das Schild um seinen Hals sagt: “Out of order“, die Flagge in der Hand propagiert Liebe.

Zwischen zwei Auftritten auf dem Weg in den Backstage- Bereich unterhalten wir uns. Während er mit seinen dünnen Ärmchen den schweren Riesenkoffer mit Leopardenmuster hinter sich herzieht, sagt er zu mir mit dünnem, piepsigen Stimmchen :

“You know, this is my last festival….I’m doing this for 30 years now….I gotta…i think i have to look for something else to do….something that makes me more happy…”.

Rumpel, ein Clown mitten in der Sinn- und Lebenskrise.

Schon während seines Auftrittes steigen mir die Tränen in die Augen…Zwischen Federboas, Kuscheltieren, Plastikgloben, singenden Barbies, rosa Einrad, Riesentröten….einer kleinen, kindlichen Narrenwelt aus einem Koffer sieht er auf der Strassentheaterbühne aus wie ein verlorener Hase mit Riesennase, wie ein buntes, nuschelndes, einsames Überbleibsel aus einer anderen, bunteren Welt.

Rumpel

Anstrengend muss das sein, wenn die Kleider das Kostüm sind, wenn die Strasse sowohl Bühne als auch Zuhause ist. Wenn alle gucken, auch wenn man traurig ist. Wenn man einen schlechten Tag hat und deshalb der Hut fast leer bleibt.

Meine Gedanken singen

“La- la-la-la-  la-la-la- la-la-laaaa. Let’s all drink to the death of a clown”

(the Kinks)

Zum Abschied eine Umarmung. Ein trauriger Sack Knochen, lose zusammengehalten von abgewetztem Samt….Get well, Rumpel! Get well soon!