Die Lesedüne feiert 5- Jähriges Jubiläum
Unter dem Motto „Berlin ist Treibsand“ liess sich die Lesedüne nun die letzten 5 Jahre durch die Hauptstadt treiben…vom ersten betrunkenen Auftritt am Bundespressestrand übers Edelweiss im Görlitzer Park bis in den Monarch am Kottbusser Tor.
Und genau dort, im Herzen des deutschen Grosstadtwahnsinns wurde Ende Mai dann auch gefeiert.
Um die 450 Gäste kamen in den Festsaal Kreuzberg, um Marc-Uwe Kling und Sebastian Lehmann, Maik Martschinkowsky und Kolja Reichert …und Neuzugang Julius Fischer lesen zu hören.
One in, one out: Kolja Reichelt verlässt die Lesedüne, dafür kommt Julius Richter, der eigentlich in Leipzig wohnte
Nach einer kleinen Ansprache von Marc-Uwe ging es los, mit einem Text über die Lesedüne. Zur Feier des Tages ein wenig Selbstreflexion . Wenn man Geburtstag hat, geht das schon klar.
Wie kann das eigentlich sein, dass wir so lange funktioniert haben? fragen sich die Jungs. Jeder der vier hat so seine Herangehensweise und eigene Vorlieben…Alle verbindet die Liebe zum “systemrelevanten Humor”.
Und schliesslich haben sie ein Konzept: kein Konzept!
Sebastian Lehmann las aus seinem neuen Buch mit dem entzückenden Namen: „Sebastian, oder: das Leben ist nur ein Schluck aus der Flasche der Geschichte“.
Nervige Fragen von Verwandten auf Familientreffen bezüglich der eigenen Berufswahl und Zukunft war das Thema….“Kann man davon leben?”.
Am Titel merkt man es schon: Sebastian schreibt meist –oder immer- über sich und was er erlebt, der persönliche Blick ist immer da und auch wichtig. Gesellschaftskritik ist wichtig und gut, aber um glaubwürdig zu sein, darf man nicht aufschneiden und nicht von Sachen reden, die man nicht selbst erlebt –oder wenigstens richtig gut durchdacht und ausdiskutiert- hat. Wie die anderen drei auch, will sich Sebastian gar nicht so wichtig nehmen. Sie sind es aber nichtsdestoweniger. Aus der Berliner Poetry Slam- und Lesebühnen- Szene sind sie jedenfalls nicht mehr wegzudenken.
Dota, die Kleingeldprinzessin kam ohne ihre Stadtpiraten und spielte auf ihrer akustischen Gitarre Lieder ihres neuen Albums „Solo Live“, übers Suchen und Finden, in bekannter und geliebter Taschen-Swing-Bossa-Nova- Manier.
Und so weggeweht in die besungenen Landschaften, Wälder und Moore, Wiesen und Stadtgrün war ich da beim Zuhören, dass erst, als sie die Gitarre ablegte, und sich setzte, sah, dass sich da auf dem Liedermacherinnenbauch eine deutliche Kugel abzeichnete. Dota erwartet offensichtlich Dichternachwuchs! Das könnte eine Erklärung sein für das Leuchten, dass sie irgendwie zu umgeben schien.
“Kommt alle! Es wird schön!” hiess es auf der Webseite der Lesedüne.
Hach, und das war es dann auch…
Dass dann am Merchandising-Stand zwischen CD’s und Büchern des Kollektivs auch noch Umsonst- Aufkleber mit der Aufschrift “Scheissladen” auslagen, gefiel mit ausgesprochen gut. Für diese Art von systemrelevanten Humor hatte ich dann auch gleich Verwendung, beim S-Bahn-Fahren heute morgen…