Zarellas Weblog

Meermann

Dezember 9, 2009 · Kommentar schreiben

Letzte Nacht träumte ich

von Strand, Himmel, Meer.

Alles drei warst du, dein Haar

Dünengras, blond mit grünem Stich

und fest, wog und bog sich

ebenmäßig im Wind.

Blickte in den Himmel und sah

in deine Augen, hell, klar.

Die sagten nichts, waren

sehr da.

Dann lächeltest du und eine

Reihe weißer Zähne überstrahlten das Blau.

Die Sonne ging auf und ließ

den Wolkenlachmund strahlen.

Deine Füße rauher Meeresboden

mit Meermoos auf den Zehen

sonnenunbeschienen.

Deine Beine Algen,

lang, wellig aus dem Sande

sprießend, an die Oberfläche

ragend, in der Strömung wiegend.

Dein Schoß, deine Brust,

der Schauplatz aller Wasserspiele.

Wellen sind dort und Soge

und alles, was reist im Wasser,

reist in diesen Höhen

schwimmt in Tiefen, in denen die Sonne

noch reicht.

Hier tauchen, entdecken und gleiten

die Hände, die Nase und Meerbusen entlang

der Gezeiten.

Letzte Nacht träumte ich,

du seist Himmel, Strand und Meer.

Seltsam traurig wachte ich auf.

Mein Kissen schmeckt salzig.

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Heine

November 25, 2009 · Kommentar schreiben

Chérie, schon als Mädchen in meinen Träumen

sah der, der mich besucht, so aus wie du.

Formt der Mund ein Lächeln?

Schaut er ernst?

Chérie, wir hätte uns so gut verstanden,

ich wär mit dir zu den Franzosen gegangen,

meine Finger hätte ich

in deinem blassblonden Haar verfangen.

Wie fein und spitz deine Zunge Worte formt,

ich wär nicht nur an deinen Lippen gehangen,

Chérie.

Harry Heine

Du liebstest so viele,

ich steh dir in nichts nach.

Ich dichte Gedichte, ich lichte das Adressbuch,

ziehe das Schnupftuch, vergiess eine Träne, ehrlich,

und ziehe pfeifend weiter.

„Mit Blonden hats ein Ende dieses Jahr!“,

das schwor ich mir schon oft.

Und wenn das Schicksal, die Fügung, an mein Fenster klopft,

ist sie dennoch hell auf dem Kopf.

Ich lache kaum mehr über andre als deine

Worte.

Hab vermessen die Orte,

die Ecken des Gemüts,

aus denen du sprachst.

Du bist tot. Nicht mehr da.

Oh, hätt ich dich gekannt, mit solcher Kunst,

hätt ich dich verführt, dass du nicht mehr wüßtest,

was du schriebst, und wems gebührt,

so hätt ich dich verführt.

Jede Fingerspitze geleckt,

jede kleine Stelle,

die das Beinkleid verdeckt.

So heiß brennen deine Worte,

seit ich lesen kann,

auf meinem Herzen.

Brüder, wenn ich sterbe,

versenkt mich ins Meer“

hast du gesagt.

Wenn meins einst den Dienst versagt,

dann werft mich hinterher,

eine Kühlung tut gut.

Giess Wasser

auf die Glut.

Ich kann deinen Körper nicht lieben,

ich seh dich wohl manchmal in Gesichtern.

Doch die werden selten,

seltener.

Soviel Trost wie bei dir

hab ich in der Bibel kaum gefunden,

auch nicht bei der Mutter,

und bei Martin Walser nie.


Heute gibt es Stuckrad-Barres

und Coldplay- Frontsänger.

Doch keiner kann mich länger fesseln,

ohne Gesicht,

nicht mal,

die Jungs vom KitKat Club

und die meinens nur gut.

Du weisst, die Frauen sind wankelmütig,

hasts selbst geschrieben

und trotzdem geliebt!

In mir hättest du deinen Meister gefunden!

Ich kann lieben! Warm, lang und gut.

Zitat.

Beglücken mit Gefühl und Küssen,

und dann verraten, wie gebräuchlich“.

Und wenn ich ehrlich bin, verliebe

ich mich mit Vorliebe mich

in Kerle, die dir gleichen.

Unbewußt

zieht es mich

an die ewig unbehaarte Männerbrust.

Deine Worte, Stirn und Augen,

Gedanken und Geschichte,

was kann man sonst noch lieben?

Reicht das nicht?

Doch dein Gesicht werd ich nie streichen,

nie deine langen Männerwimpern erreichen mit meiner Wange.

Du bist schon tot.

Ich bange.

Noch.

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Gipsy thought of mine

November 12, 2009 · Kommentar schreiben

I’m dreaming of someone who’d take me away,

of someone forcing me not to stay

where I am.

I’m dreaming of a door pulled shut in an empty room,

of the endlessly waiting groom of my then past life.

I am dreaming of being a wild wife

of endless roads and forests

deeper than anyone can go, but me.

Of chasing sunsets,

running away from the cold and the heat

never back seat.

No postman can chase me,

no motherly call.

I am too big to find.

Compared to all that comes, Now is so small.

I am ten feet tall, i fit in . No. Where.

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Schlechte Fliege

November 3, 2009 · Kommentar schreiben

Ich töte eine große dicke Fliege

mit einer elektrischen Klatsche.

Meine Schwester sagt,

Fliegen seien schlechte Gedanken.

Der Brummer zuckt und schlägt winzige Funken am Gitter.

Erst nach dem dritten Anlauf ist sie tot.

Ich spüle sie  das Waschbecken hinunter.

Manche sind eben hartnäckig.

Jupiter

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G.R.E.N.Z.Z.E.I.T.

Oktober 27, 2009 · Kommentar schreiben

Ich weiss soviel wie früher,

doch wie ich drauf sehe, wo ich stehe,

verändert sich.

Klarer wird der Blick auf Unklarheiten,

die Erkenntnis, dass das System

sich verändert, je nachdem

von wo aus ich drauf sehe.

Auch auf die Zeit.

Dialektik und Dualismus werden mehr zu

Dimensionen erfahrbaren Denkens.

Dort kann ich wohnen.

Kann zulassen, dass Grenzen

sich mehr und mehr öffnen

und Abgrenzen schwerer wird.

Mag Gipfel ob der Übersicht, der

Möglichkeit zur Distanzierung.

Im Spiel dazu die völlige Auflösung der Grenzen

des Körpers, der Identität.

Kein Du und Ich, kein früh und spät.

Nur Jetzt, Hier, Wir.

Dann besteht Realität.

Bewusstmachen der Unendlichkeit als einzige

Erlebbarkeit derselben.

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Bestellung Berlin: Ein bisschen Geld, ein bisschen Liebe

Oktober 16, 2009 · Kommentar schreiben

Ein Leben in einem Robben und Wientjes Pritschenwagen,
eins in einem kleinen Geldbeutel, auf 22 Quadratmeter in Kreuzberg.
Ohne Keller, Kinderzimmer und Kreditkarte.
Es ist weder lang noch kurz her, seit alles sicher und nicht hier war.

„Ich will doch nur ein bisschen Liebe und Geld!“, rufe ich der großen Schwester durch das Handy in die Schweiz, rufe ich in diese Stadt.
Zum Kudamm, nach Westend, Charlottenburg, Mitte, Neukölln, Prenzlauer berg, Kreuzberg. Überall dort habe ich gewohnt.

Nach zwei Jahren, zwei Wintern, sieben Ümzügen, acht Jobs, drei gescheiterten Beziehungen, drei Affären, sieben Männern, sechs Frauen, zwei Totalabstürzen, vierzehn Landfluchten, vier abgelehnten Bewerbungen und zwei Studienanläufen, etlichen neuen Bekanntschaften, drei Gerichtsvollzieherterminen, mehreren tausend Euro Telefonkosten, hundert Taxifahrten, drei BVG- Nazi- Kontrolleuren, über zwanzig Magnumflaschen Cremant und unzähligen Absichtserklärungen, jetzt Schluss mit dem lieben Lotterleben zu machen bin ich bereit.

Ich schreibe über mein Leben in Berlin. Der Stadt, von der ich seit dem ersten Besuch mit 14 Jahren wußte, dass ich sie irgendwann erobern wollte und würde. Meine Träume haben sich seitdem verändert, ich will keine Riesenwohnung mehr am Savignyplatz und jeden Tag im Brel essen (-obwohl das sicher besser wäre als der China-Imbiss „Glück“ in meiner Strasse).

Die Absicht der Eroberung des Terrains, der Herzen und der Ressourcen ist geblieben.

Soweit die Aufzählungen. Angefangen hat es auf dem Flughafen Tegel Ende September 2007,  Studium und ein bisschen Geld in der Tasche, das Highschoolsweetheart am Taxistand. Alles sehr vielversprechend…

hinter mir liegt alles vor mir

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Ein Zimmer im Gräfekiez

Oktober 7, 2009 · Kommentar schreiben

Es ist montag nacht, zwei uhr im warmen september.

Mein fenster zum hinterhof, 3.stock ist offen.

gleichlaut mit dem rauschen der blätter der großen buche im hinterhof

dringt die gitarre in mein zimmer, mit männergesang.

„now my drugs won’t work, they just make it worse

and i know i’ll see your face again.“

seit stunden geht das so. ich weiss nicht wer es ist und wie er aussieht, aber sein repertoire ist erstaunlich. vorhin habe ich meine gitarre genommen und ungeschickt „village green“ von den kinks gespielt, mit noten aus dem internet, weil ich nicht so gut auswenig spielen kann.

jetzt spielen sie „let it be“.

es singen leute dazu. auch frauenstimmen. ich wäre gern bei ihnen. ein grund, warum ich die pfadfinder immer geliebt habe, ist dieser: wo man singt, da lass dich nieder, böse menschen haben keine lieder.“…oder so… stimmt natürlich nicht. Hitler hatte sicher auch seinen unvirtuellen „all time favorite“ ordner.

Ich sortiere die musik auf meiner festplatte gern nach funktion.

ein ordner heisst: uterusmucke. das hab ich mir von meiner besten freundin abgeguckt, aber ich wusste sofort, was sie meint.

der ordner deutsch ist unterteilt in „lustig“ und „nicht lustig“, wobei das nicht immer leicht auseinanderzuhalten ist. Helge, klar, lustig. funny van dannen, lustig. Die sterne? hmmm…. ich finde „ich bring euch beide um“ ja total lustig….aber „alles vergeht“ wiederum eher bittersweet.

Der ordner „gute laune“ bereitet mir schon länger kopfzerbrechen, weil ich in ihm sowohl musik ablege, die ich bei guter laune , sozusagen unterstützend und erhaltend höre als auch wenn ich in neutraler bis missmutiger stimmung bin und daran etwas ändern möchte. mood-management nennt das der kommunikationswissenschaftler. Dort liegen Toots and the Maytals neben max raabe und animal collective, sogar ein paar lieder von manu chao sind dabei. ich mag jetzt keine „wenn- der wüsste dass…blabla im grab umdrehn- floskeln bemühen, aber wie gesagt. richtig wohl fühle ich mich dabei auch nicht.

ganz gerne mag ich den „alte männer“-ordner. die alten männer sind genretechnisch sehr inhomogen, aber geben ein schönes gesamtbild ab, wenn man sich vorstellt, dass elvis costello, tom waits, paolo conte und barry white sich ein stelldichein geben in meinem kleinen ordner, das gefällt mir.

die größte herausforderung besteht nach wie vor darin, den boybands-ordner mal zu unterteilen, er wird zu gross, um übersichtlich zu sein. Allein über 30 alben von bands, die mit „the“ anfangen. Ach, das wäre ja eine gute abteilung…..the smiths, the kinks, the beatles…..obwohl, die sind ja im all time favorites-ordner….

meine nachbarn singen grade eine hingebungsvolle version von„because i got high“ mit gitarrenbegleitung.

der hip hop ordner unterteilt sich in „deutsch“ und „andere“. Jeder richtige hiphopper würde mich für dessen inhalt auslachen. Sammy de luxe neben clueso, huahuahua! Aber dann im „andere“ ordner einen auf dicke hose machen mit common, kanye west und de la soul!

mein liebster ordner heisst „somewhere over the rainbow- versionen“. Habe schon fast dreissig verschiedene. die version des stimmgewaltigen nachbarn dringt aus dem fenster an den schreibtisch.

….tage später in Mitte:

riesenregenbogen über mitte anfang september, sonntag.

„Schau, er ist fast verschwunden!“

„He doesn’t dissapear, he just appears in another place.“

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Was ist es?

September 14, 2009 · Kommentar schreiben

Ein großer Topf  Suppe,

ein Nagel in der kahlen Wand,

ein Spatz in der Hand,

eine Stecknadel auf der Karte im Land.

Das verändert sich

mit dem Älterwerden:

Ein Mensch ist dir nah?

Ein paar Jahre, er ist nicht mehr da.

Ein Ort?

Ein paar Jahre, er ist nicht der selbe.

Alles ist im Wandel begriffen.

Obwohl denkst du, es gibt etwas

Statisches, Bleibendes, Konstantes?

Ein postmoderner Stadtnomade

hat eine Bleibe, ein Zuhause, doch nicht mehr.

Wozu?

Die Erde unter deinen Füßen,

von dort kommst du, da bleibst du,

das muss reichen.

Der Kosmopolit zieht umher,

passt sich stets an.

Wo ist der Ort,

an den du dich nicht anpassen musst,

weil er schon passt?

Deine Haut.

der einzige Ort,

den du nicht verlassen kannst.

Oder nur einmal, ohne Wiederkehr.

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2. April, Bienne

September 8, 2009 · 1 Kommentar

White boats with blue coats,

but still, it is spring.

Birds already gather, flirt and sing.

boats with coats

boats with coats

I’m sitting still in the haven of Bienne.

Watching the ducks, the swans and the seagulls.

It  smells like the sea,

but it’s a lake.

Happiness is easy

when your heart’s not at stake.

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See u site Fragment Teil 2

September 7, 2009 · Kommentar schreiben

Der See sieht so appetitlich aus in der Sonne, gesäumt von Fichten und Birken.

Jemand sagt: „Hier ist doch Kanada!“

„Na klar!“ ein Andrer.

Bunte Menge tanzt zu bunten Beats. Auf die drei Meter hohe Box klettert ein blondes Mädchen mit schneeweißem Rock. Sie hält ihn fest, Sekunden später regnet es Rosenblütenblätter in die Meute, alle schreien, freuen sich, Sonne im Gesicht, Bass im Ohr, noch ein Tor! Ein großes gelbes Blütenblatt landet auf meinem Mund, ich zerkaue es lachend.

Nebe dem DJ-Pult ist der Eingang zum Wasser, große und kleine Menschen ziehen die bunten Textilien aus, bis sie alle, alle rosa sind. Oder braun.

Rennen ins Wasser.

Eine Frau mit blondem Stoppelhaar  wackelt in den See, ihr enormer Hintern wippt nach. Alle sehen so unterschiedlich aus, kein Arsch, kein Lachen gleicht dem andern. Alle freuen sich übermäßig über die Natur, die Musik und übereinander miteinander.

Ein Schwede mit weißblondem Seemannsbart läuft strahlend ans Ufer. Mit dem Zahn um den Hals sieht er aus wie aus einem Abenteuerfilm.

Drei Freunde mit richtig gutem Hoffmann-Zuckerli im Blut liegen auf dem Rücken, die Arme aufgestützt, beobachten grinsend das nackte Spektakel vor stahlblauem Himmel.

Das Wasser sieht so appetitlich aus.

Drei Köpfe denken synchron: Fluten!

In Rekordzeit reissen wir uns die Klamotten vom Körper, rennen ins Wasser.

Als es knietief ist, tauche ich unter, kühl, warm, klar, nass schwirbelt es um meine Ohren.

Wie gut sich nackte Brüste beim Schwimmen anfühlen! Lautes Jauchzen.

Neben mir strahlende Zahnreihen in Sonnengesichtern. Wir planschen, auf dem Rücken, auf dem Bauch, in den See. Atmen laut.

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