Es ist montag nacht, zwei uhr im warmen september.
Mein fenster zum hinterhof, 3.stock ist offen.
gleichlaut mit dem rauschen der blätter der großen buche im hinterhof
dringt die gitarre in mein zimmer, mit männergesang.
„now my drugs won’t work, they just make it worse
and i know i’ll see your face again.“
seit stunden geht das so. ich weiss nicht wer es ist und wie er aussieht, aber sein repertoire ist erstaunlich. vorhin habe ich meine gitarre genommen und ungeschickt „village green“ von den kinks gespielt, mit noten aus dem internet, weil ich nicht so gut auswenig spielen kann.
jetzt spielen sie „let it be“.
es singen leute dazu. auch frauenstimmen. ich wäre gern bei ihnen. ein grund, warum ich die pfadfinder immer geliebt habe, ist dieser: wo man singt, da lass dich nieder, böse menschen haben keine lieder.“…oder so… stimmt natürlich nicht. Hitler hatte sicher auch seinen unvirtuellen „all time favorite“ ordner.
Ich sortiere die musik auf meiner festplatte gern nach funktion.
ein ordner heisst: uterusmucke. das hab ich mir von meiner besten freundin abgeguckt, aber ich wusste sofort, was sie meint.
der ordner deutsch ist unterteilt in „lustig“ und „nicht lustig“, wobei das nicht immer leicht auseinanderzuhalten ist. Helge, klar, lustig. funny van dannen, lustig. Die sterne? hmmm…. ich finde „ich bring euch beide um“ ja total lustig….aber „alles vergeht“ wiederum eher bittersweet.
Der ordner „gute laune“ bereitet mir schon länger kopfzerbrechen, weil ich in ihm sowohl musik ablege, die ich bei guter laune , sozusagen unterstützend und erhaltend höre als auch wenn ich in neutraler bis missmutiger stimmung bin und daran etwas ändern möchte. mood-management nennt das der kommunikationswissenschaftler. Dort liegen Toots and the Maytals neben max raabe und animal collective, sogar ein paar lieder von manu chao sind dabei. ich mag jetzt keine „wenn- der wüsste dass…blabla im grab umdrehn- floskeln bemühen, aber wie gesagt. richtig wohl fühle ich mich dabei auch nicht.
ganz gerne mag ich den „alte männer“-ordner. die alten männer sind genretechnisch sehr inhomogen, aber geben ein schönes gesamtbild ab, wenn man sich vorstellt, dass elvis costello, tom waits, paolo conte und barry white sich ein stelldichein geben in meinem kleinen ordner, das gefällt mir.
die größte herausforderung besteht nach wie vor darin, den boybands-ordner mal zu unterteilen, er wird zu gross, um übersichtlich zu sein. Allein über 30 alben von bands, die mit „the“ anfangen. Ach, das wäre ja eine gute abteilung…..the smiths, the kinks, the beatles…..obwohl, die sind ja im all time favorites-ordner….
meine nachbarn singen grade eine hingebungsvolle version von„because i got high“ mit gitarrenbegleitung.
der hip hop ordner unterteilt sich in „deutsch“ und „andere“. Jeder richtige hiphopper würde mich für dessen inhalt auslachen. Sammy de luxe neben clueso, huahuahua! Aber dann im „andere“ ordner einen auf dicke hose machen mit common, kanye west und de la soul!
mein liebster ordner heisst „somewhere over the rainbow- versionen“. Habe schon fast dreissig verschiedene. die version des stimmgewaltigen nachbarn dringt aus dem fenster an den schreibtisch.
….tage später in Mitte:
riesenregenbogen über mitte anfang september, sonntag.
„Schau, er ist fast verschwunden!“
„He doesn’t dissapear, he just appears in another place.“